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Baschar Al Assad schon 2007 als Kriegsziel geplant?

Zufälle gibts, die gibt’s gar nicht: Die beiden bekanntesten Ego-Shooter Ableger in den USA Call of Duty und Battlefield brachten 2007 und 2011 jeweils einen neuen Teil ihrer Serie heraus. Beide hatten ein ähnliches Szenario: die USA kämpfen im Nahen Osten gegen den Terror. Wie in solchen Narrativen üblich gab es auch hier einen Bösewicht, den man am Ende des Spiels töten muss. Etwas ungewöhnlich sind jedoch die Namen dieser Übeltäter. So heisst der Anführer der Terroristen in Call of Duty „Khaled Al-Asad“. Mag man das vielleicht noch als Zufall abtun, so macht einen spätestens der Name des Anführers der Battlefield Reihe stutzig: „Faruk Al-Bashir“. Die Namen zusammengelegt ergeben eine erstaunliche Deckungsgleichheit mit dem syrischen Staatsoberhaupt „Baschar Al Assad“. Auch optisch hat man sich praktischerweise am Original orientiert:

Fruk Al Bashir (Battlefield 2011)
Khaled Al-Asad (Call of Duty 2007)

Es ist kein neues Phänomen, dass die US-Medien ihre Bevölkerung auf mögliche Kriegsszenarien mit Filmen vorbereiten. So wurden in den Kriegsfilmen mit Chick Norris, Dolph Lundgren und anderen gezeigt wie man sich den „bösen“ kommunistischen Regimes entgegen stellt. Man sollte die Wirkung dieser Filme nicht unterschätzen, geben sie doch für viele junge Amerikaner den Anlass,  sich freiwillig für die Armee zu melden.

Der Spieleentwickler von Call of Duty Dave Anthony arbeitet mittlerweile für Washington D.C. als Berater für die moderne Kriegsführung, wie ein Guardian Artikel zeigt. Tatsächlich ist die Verflechtung von Ego-Shootern und Militär ein offenes Geheimnis und wurde bereits in den 1980er Jahren von der US Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa) als mögliche Ausbildung für künftige Rekruten in Erwägung gezogen. Es zeigt aber auch deutlich, wie das Szenario in Syrien, welches wir heute als eine der größten Tragödien der Menschheit erleben, von langer Hand zumindest als Option betrachtet wurde.

Kurzes Resümé des syrischen Krieges bisher

Zum Zeitpunkt der Spielveröffnetlichung 2007 war die Kampagne gegen Syrien in unseren Medien noch nicht angelaufen und so nannte man den Führenden des Staates noch nicht „Machthaber eines Regimes“, sondern „Präsident eines Staates“. Freilich gab es berechtigte Kritik an den zweifelhaften Wahlen. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Es gab im syrischen Krieg zwei entscheidende Ereignisse – zum einen der Ausbruch der „friedlichen Demonstration für mehr Freiheit“ 2011, welche vom syrischen Staat gewaltvoll unterdrückt wurde. Dies fällt mit der Veröffentlichung des zweiten US-Videospiels Battlefield zusammen. Das zweite Schlüsselereignis ist der 21. August 2013, bei dem in einem Vorort von Damaskus Giftgas gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt wurde und als Anlass für eine westliche Intervention genutzt wurde. Für US-Präsident Obama war klar: Das kann nur das syrische Regime gewesen sein. Die Amerikaner hätten, so Außenminister Kerry, eindeutige Beweise, dass syrische Regierungstruppen für den Chemiewaffeneinsatz verantwortlich seien. Russland hat sein Veto gegen einen amerikanischen Militärschlag eingelegt und verlangte nach klaren Beweisen. Erstaunlich nur, dass die Beweise nie offen auf den Tisch gelegt werden.

Laut Dale Gavlak von der Associated Press und dem investigativen Journalisten und Pulitzer Preisträger Seymour Hersh waren die USA indirekt am Giftgasangriff beteiligt. Im Dezember 2013 schrieb Hersh über ein fünfseitiges Dokument des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA, aus dem hervorgehe, was die US-Regierung immer abgestritten hat: Islamistische Milizen waren im August 2013 im Besitz von Sarin-Gas. Die US-Regierung war darüber informiert. Wie Eren Erdem und Ali Şeker kam auch Hersh in seinem Text damals zu dem Schluss, die US-Regierung hätte einen Vorwand für ein militärisches Eingreifen gesucht.

Auf drängen Russlands liessen die USA schließlich von einer direkten militärischen Intervention ab. Die syrische Regierung liess sämtliche Giftgasvorräte vernichten. Doch die Giftgasangriffe gingen seither weiter – von Seiten des IS. Heute kämpfen verschieden Rebellengruppen, wobei die ursprüngliche Initiative für mehr Menschenrechte und Freiheit, die den Stein ins Rollen gebracht hat, keine Rolle mehr spielt. Es geht also nur noch um Schadensbegrenzung. Der Demokratie hat man hier sicherlich keinen Dienst erwiesen.

Bildquelle: „Battlefield 3, StagingArea“ by „SobControllers“ under Creative Commons 2.0

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Published on: 14/01/2017

Filed Under: Politik

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