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Der Deep State ist keine Verschwörungstheorie

Es gibt in David Lynchs Film Mulholland Drive eine Szene in welcher der Hauptdarsteller, ein bekannter Regisseur, einen mysteriösen Cowboy trifft. Zuvor wurde sein Leben nach Strich und Faden schikaniert, weil er sich weigerte eine ausgewählte Darstellerin für eine Rolle einzusetzen. Bis zu dem Treffen konnte er sich keinen Reim darauf machen, warum alles gegen ihn läuft und begann an sich selbst zu zweifeln. Verärgert und verwirrt fährt er zu dem Treffen, von dem er nicht weiss, was ihn erwartet. Nach kurzem Smalltalk fragt der Cowboy: „Die Einstellung eines Mannes hängt davon ab, was für ein Leben er führen wird – stimmen Sie dem zu?“ – „Ja“ – „Nun da Sie zustimmen, müssen Sie eine Person sein, die sich nicht um ein gutes Leben kümmert.“ Im weiteren Verlauf wird er aufgeforderte seine Entscheidung zu überdenken und die „richtige Wahl“ zu treffen – „der Rest des Casts kann bleiben – es ist Ihre Entscheidung. Aber die Hauptrolle ist nicht Ihre Entscheidung“. Hier die komplette Szene:

Es drängt sich der Verdacht auf, dass es bei Trump ähnlich abgelaufen sein könnte.

Zunächst eine unglaublich radikale Medienkampagnen gegen ihn und Russland und alles schien falsch zu laufen, dann sein „plötzlicher Sinneswandel“ und seitdem scheint der Medienzug wieder in seine Richtung zu rollen. Dabei war die verdeckte Einflussnahme selten so plump – denn wer um Himmels willen kann denn für diese Intervention in Syrien sein? Er selbst war bisher immer dagegen und wollte sich aus Syrien zurückziehen. Die Bevölkerung in Amerika und Europa ist eindeutig dagegen, selbst seine eigenen Wähler wenden sich von ihm ab. Alle ernsthaften und seriösen Journalisten müssten angesichts des völkerrechtswidrigen Eingreifens, der postfaktischen Charakters (niemand weiss ob es Assad war) und der jüngeren Geschichte (man denke nur an die Iraklüge 2003)  aufschreien und sehr vorsichtige Äußerungen dazu tätigen. Schaut man in die Medienlandschaft ist jedoch das Gegenteil der Fall – nicht nur politische Kanäle bekennen sich freimütig zu Trump (Merkel, May und Co.), sondern auch die Leitmedien und politischen Talkshows (Anne Will, Hart aber Fair…) machen ganz klar Meinung für ein Einschreiten in Syrien. Dass dabei auch mal unverschämt gelogen wird scheint niemanden zu stören (Von der Leyen wird von Anne Will nicht einmal korrigiert, als sie die Giftgasanschläge von 2013 Assad in die Schuhe schiebt und sie missinterpretiert einen UN-Bericht vollkommen). Vielmehr werden die Stimmen der Vernunft diskreditiert (Lüders wird bei Anne Will gar als Verschwörungstheoretiker dargestellt) und niedergemacht. Wäre die Lage nicht so ernst, könnte man dieses Puppentheather amüsant finden, so plump und geradezu karikierend spielen die Beteiligten ihre Rollen. Doch die Gefahr eines dritten Weltkriegs war nie so akut wie aktuell. Nicht nur in der Ukraine, sondern nun auch in Syrien haben wir explosive Konflikte. Während im kalten Krieg immer „nur“ Aufrüstungen stattfanden, sind hier beide Parteien direkt militärisch involviert. Doch jeder der diesen Zusammenhängen auf den Grund geht bekommt es mit dem Totschlagargument zu tun: Verschwörungstheorie. Da ist dann ein faktenorientierter Historiker wie Ganser mit einem mal in einem Topf mit abstrusen Theorien zur flachen Erde. Und das ist natürlich beabsichtigt.

Beobachtet man jedoch genau die Kommentare, Meinungen und das Verhalten der Zuschauer beispielsweise in den Talkshows, so stellt man fest, dass fast niemand diesen Kriegshetzern glaubt. Die Zeiten haben sich geändert, denn durch das Internet sind nicht nur viel mehr Alternativmedien verfügbar, auch die Kommentar-, Gruppen- und Bloggingkultur regt zu einer differenzierten Meinungsbildung an. Und dieser Prozess führt zwangsläufig zu einer Enttarnung der großen geopolitischen Strategie und zu einem wachsenden Misstrauen gegen sämtliche Politiker. Man kann gar nicht genug betonen wie falsch das aktuelle Verhalten ist, zumal es die Weltöffentlichkeit erkennt. Es führt zu einer weiteren schwächung der Institutionen und polarisierung der Bevölkerung. Das Projekt Europa wird durch dieses duckmäuserische Verhalten Deutschlands und der EU gegenüber der USA von innen zerfressen. Strategen wissen, dass Deutschland der entscheidende Faktor für die Vormachtstellung der USA ist – denn würde Deutschland sich mit Russland und indirekt China verbünden oder auch nur neutral stellen, so wären die USA in Europa und dem Nahen Osten chancenlos. Es ist also naiv zu erhoffen, dass eine Friedensbewegung oder eine politische Wahl diese grundlegene militärische Leitlinie ändern würde. Sollte Deutschland sich unabhängig machen wollen würde es wahrscheinlich zu einem deutschen Syrien werden. So oder so haben wir im Falle eines heissen Konfliktes das Nachsehen, da wir der zentrale Ort der Auseinandersetzung wären. Betrachtet man sich diese Zusammenhänge näher so wird die Last des transatlantischen Erbes und des Aufbauwunders offenkundig.

Gibt es einen Deep State?

Die Idee eines Deep State, welcher vor allem vom Pentagon betrieben wird ist – so liest man auf Wikipedia- natürlich eine Verschwörungstheorie. Schauen wir uns jedoch die politischen Aktionen in den letzten Jahren unter den letzten Präsidenten an, so kommt man nicht umhin hier einen roten Faden von US-Neocon-Thinktanks bestätigt zu sehen. Es ist vielmehr so, dass man, je näher man hinsieht, hinreichende Beweise dafür findet, dass die USA intern auf diese langfristigen Strategien pochen. So spricht George Friedman in einem Vortrag vom 4 Februar 2015 ganz offen über das Ziel, die Deutsch-Russischen Beziehungen zu verhindern. Wer eins und eins zusammenzählt und beispielsweise den massiven Widerstand gegen die Annäherung von Trump und Putin beobachtet hat der wird über Verschwörungstheorie, Deep State und die aktuelle Syrienkrise nochmal neu nachdenken. Ist der Deep State also eine Verschwörungstheorie? Das hängt davon ab, wie weit man in der Interpretation geht. Dass das Pentagon jedoch zusammen mit den Medien eine Marschrichtung vorgibt und Meinung macht dürfte kaum zu leugnen sein. Ein echter Zufall ist jedoch, dass Mr. Friedman nun auch wirklich ähnlichkeiten mit dem Cowboy von Lynch hat.

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Published on: 12/04/2017

Filed Under: Meinung

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