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Die Weltsicht von Steve Bannon

Steve Bannon gilt als Strippenzieher hinter Trump. Während der eine unberechenbar, kurzsichtig und extrovertiert ist, scheint Steve Bannon das Gegenteil zu sein – berechnend, zurückhaltend und einer klaren Vision folgend. Doch was ist diese Weltsicht von Steve Bannon? Die Schlagzeilen der letzten Tage haben hier einen Einblick gegeben – „Steve Bannon glaubt die Apokalypse naht und ein Krieg ist unausweichlich“ (Huffington Post) – „Steve Bannons Faszination von der dunklen Theorie der Geschichte ist besorgniserregend“ (Business Insider) oder auch ganz plakativ „Steve Bannon möchte den dritten Weltkrieg starten“ (the Nation). Doch was ist da dran und woher kommen diese Ideen?

Einen guten Einblick in seine Gedankenwelt gibt das Buch „The Fourth Turning„, welches Bannon tief inspiriert hat. Seine Dokumentation „Generation Zero“ ist eng mit dem Buch verbunden und baut auf der Theorie auf, dass die Geschichte Amerikas in vier Generationen anhaltenden Zyklen abläuft. Jeder Zyklus enthält eine Zeit der politischen und zivilen Krise – die vierte Wende(Fourth Turning). Die Autoren Howe und Strauss des besagten Buches haben mit ihm während der Dreharbeiten zu Generation Zero zusammengearbeitet und waren beeindruck von dessen Klugheit. Sie und Bannon teilten die Einsicht, dass Populismus, Nationalismus und autoritäre Staaten wohl bald ein weltweites Comeback erleben würden.

Ursprünglich zielten die beiden Autoren nicht auf eine politische Einflussnahme, zeigten sich sogar erstaunt, dass ihr Werk von Politikern beider Lager so lebhaft aufgenommen wurde. Vor allem die Demokraten zeigten sich zunächst angetan und sahen in der Beschreibung der Millenials, die Generation rund um die Jahrtausendwende, ein großes Potenzial um Amerika näher an ihre progressiven Ideale zu ziehen. Es gab auch konservative Fans, welche in der neuen Ära eine Annäherung von linker Ökonomie und rechten Werten sahen.

Die Autoren sahen den Erfolg ihres Buches auch darin begründet, dass ihre These zur Zyklizität der Geschichte den beiden populären Grundannahmen (die Geschichte ist linear vs. chaotisch) widerspricht. Revolutionär ist diese Idee jedoch nicht, auch der Historiker David Engels beschreibt in seinem Buch „Auf dem Weg ins Imperium“ Parallelen zwischen dem Untergang der römischen Republik und dem heutigen Zustand der EU.

Betrachtet man die Geschichte zyklisch und klammert Technologie aus, so kommt man zu einer wiederkehrenden Abfolge – Howe

Die vier Zyklen der Gesellschaft

Jede Wende hat in etwa die Länge einer Generation, d.h. ca. 20 Jahre. Man kann die vier Wenden mit Jahreszeiten vergleichen- Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Alle Wenden  zusammen ergeben einen Zyklus.

Der Zyklus beginnt mit der ersten Wende– dem „Hoch“, welcher auf der vorangeganenen Krise folgt. In dieser Hochphase sind die Institutionen stark und der Individualismus schwach. Die Gesellschaft ist zufrieden mit dem aktuellen Fahrplan, auch wenn sie sich von dem Konformismus unterdrückt fühlt. Die Periode nach dem zweiten Weltkrieg beschreibt diese Phase in der amerikanischen Geschichte mit den Präsidenten Truman, Eisenhower und Kennedy.

Die zweite Wende wird von den Autoren als „Erwachen“ beschrieben. Charakteristisch für diese Wende ist der Angriff der Institutionen im Namen hoher Werte und Ideale. Wenn die Gesellschaft ihren Höhepunkt erreicht hat werden viele Menschen des Konformismus müde, begehren auf und möchten persönliche Authentizität zurückerlangen. Dies beschreibt die späten 60er und 70er Jahre.

Die dritte Wende wird mit einem „Zusammenbruch“ beschrieben und ist demnach das Gegenteil der Hochphase. Die Insitutionen sind schwach und ihnen wird misstraut, während der Individualismus stark und florierend ist. Diese Phasen sind gekennzeichnet durch schlechte Manieren, Zynismus und schwachem zivilen Gehorsam. Die dritte Wende des aktuellen Zyklus fällt in die 90er Jahre, in den vorangeganenen Zyklen waren es die 1920er und 1850er Jahre. Es kommt zu leichtsinnigen Spekulationen.

Letztlich kommt es zur vierten Wende – der „Krise“. In dieser Phase werden die Institutionen vom Boden aus neu aufgebaut – im Angesicht einer realen oder eingebildeten Bedrohung des nationalen Überlebens. Wenn die Geschichte diese Bedrohung nicht liefert, so werden Führer der vierten Wende etwas dazu erklären oder selbst eine fabrizieren um die Gesellschaft zu mobilisieren. Ziviler Gehorsam wird wiederbelebt und Menschen schliessen sich zu größeren Gruppen zusammen. Wenn diese promethischen Explosionen von zivilen Anstrengungen sich auflösen, entsteht aus der vierten Wende eine neue nationale Identität. Die Jahre 1945, 1865 und 1794 waren solche Momente in der US-amerikansichen Geschichte.

Während es bei der zweiten Wende um die Neuausrichtung der inneren Welt geht, liegt der Fokus der vierten Wende in der Neuausrichtung der äußeren Welt.

Parallelen zwischen der heutigen Zeit und den 30er Jahren

In dem aktuellen Zyklus hat die vierte Wende in etwa um 2005 mit der Wirtschaftskrise begonnen, was große Parallelen zu dern 1930er Jahren aufweist. In beiden Zeiten – der heutigen, sowie den 30er Jahren – gab es eine große Weltwirtschaftskrise, schwaches ökonomisches Wachstum und steigende Arbeitslosigkeit. Beide Perioden waren gekennzeichnet durch schwache Absatzmärkte, Inflationsängste, wachsende Ungleichheit und die Unfähigkeit der großen Banken den Konsum wiederanzukurbeln. Geopolitisch ist ein Anstieg des rechten Flügels, des Nationalismus und Isolationsmus zu verzeichnen. Auch in den 1930er Jahren kam es zu einem Abbau von internationalen Allianzen und zu einem Anstieg von eigenmächtigem Handeln. Selbst unter sozialen Gesichtspunkten gibt es Gemeinsamkeiten, wie etwa die Abnahme der Geburtenrate, der sinkende Besitz von Immobilien und der Anstieg von Mehrgenerationenhaushalten. Ebenso die Rückbesinnung auf lokale Gemeinschaften, einem Fall der Jugendkriminalität und einer steigenden Sehnsucht nach autoritären Führern.

Nach dem Autor Neil Howe soll man sich besser schonmal warm anziehen und sich auf eine Grunderneuerung der Institutionen einrichten, in der der Reichtum der Alten auf die Jungen übertragen wird. Die wiederkehr vergleichbarer Ereignisse am Beispiel Amerikas ist erstaunlich – Amerikanische Revolution – Bürgerkrieg – die große Depression und schließlich der zweite Weltkrieg.

Die vierte Wende in Amerika begann laut Howe um 2008 und wird bis etwa 2030 andauern. Die Geschichte lässt vermuten, dass sich die bisherigen Dynamiken noch verschärfen werden, da wir gerade die Halbzeit erreicht haben. Ungünstige Ereignisse könnten zudem die Polarisation weiter vorantreiben und zu radikaleren Entscheidungen führen. Steigende Regionalisierung und Nationalisierung könnten bestehende Koalitionen wie die EU auseinandertreiben.

Steuern wir auf einen dritten Weltkrieg zu?

Nun kommt Howe zu einem brisanten Thema, denn obwohl er nicht auf einen Krieg hofft, so muss er konstatieren, dass jeder große Krieg in den USA während einer vierten Wende ausbrach. Schlimmer noch – es gab bisher keine vierte Wende ohne großen Krieg. Am Ende der 2020er wird die vierte Wende auf ihren Höhepunkt zusteuern, langsam zuende gehen und eine neue Weltordnung wird entstanden sein, welche den Grundstein für eine neue goldene Ära bildet – so Neil Howe.

Man muss davon ausgehen, dass diese Gedanken maßgeblich prägend sind für die Vision Bannons und die aktuelle Entscheidungen auch unter diesem Gesichtspunkt betrachten. Ob es jedoch zu einem Krieg kommen muss, sei dahingestellt. Schließlich unterscheidet sich dieser Zyklus auch stark von den vorangegangenen, allen voran durch das Internet, welches eine völkerübergreifende Kommunikation ermöglicht und somit zu einer steigenden Kriegsverdrossenheit führt.

 

 

 

 

Dokumentation „Generation Zero“ von Steve Bannon, inspiriert von „The Fourth Turning

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Published on: 27/02/2017

Filed Under: News, Politik

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