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„Rainmaker“ Trump : Warum wir Donald Trump brauchen

In Amerika bezeichnet ein Rainmaker jemanden, der die Geschäfte wiederbelebt und Geld regnen lässt. Das dürfte wohl dem Selbstbild von Trump entsprechen, auch wenn viele eher das Gegenteil befürchten. Das Wort hat jedoch, wenn man etwas weiter zurückgeht, noch eine ganz andere Bedeutung – es bezeichnet einen indianischen Schamanen, welcher die Götter um Regen bittet. Rainmaker wurden dann gerufen, wenn eine große Trockenheit die Existenz der Gruppe bedrohte. Um es regnen oder gar gewittern zu lassen muss der Himmel wolkenverhangen sein, die Sonne größtenteils verdeckt. Es kühlt sich ab, oftmals ziehen Winde auf und dann wird es plötzlich nass und man sucht sich lieber Unterschlupf. Nach einer Zeit der Abkühlung spriessen schließlich die lang ersehnten neuen Sprossen aus dem Boden. Nun ist Trump sicher kein Schamane, doch mit dem Begriff Geoengineer könnte er sich vielleicht anfreunden. Er beschleunigt die natürlichen Prozesse deutlich und bringt den gesellschaftlichen Regen vor seiner natürlichen Reife zu Fall. Dabei soll keineswegs der narzisstische Charakter und die zweifelhaften Mittel beschönigt werden – befreien wir uns einmal von dieser Schnapptatmung können wir sehen, dass es nicht in einer Katastrophe münden muss.

Man muss die Rolle Trumps nicht künstlich überhöhen, er ist nicht Ursache sondern Auslöser des aktuellen Wind of Change. Dieser weht schon eine ganze Weile durch die Mediendemokratie, das sagen nicht zuletzt Denker wie David Precht oder David Engels, aber auch schon Erich Fromm hat in den 70er Jahren offen davor gewarnt. Dennoch ist Trumps Charakter prädestiniert für die schwierige Aufgabe den enormen Angststillstand und den Konfektionismus der Gesellschaft zu überwinden. Er ist ein Antagonist, der uns unseren Schatten in ganz vielen Aspekten spiegelt. Wie ein Blitz schlägt er in die Wolken, zwingt die Gesellschaft aktiv zu werden und sich zu bekennen.

Trumps Charakter erklärt durch Graphologie

Graphologie ist die Kunst mittels Handschrift auf den Charakter eines Menschen zu schließen. Vereinfacht gesagt deuten weiche runde Linien eher auf Sympathie und Diplomatie hin, eckige Winkel und Kanten stehen eher für Willenskraft und Durchsetzungsvermögen. Vergleicht man die Signatur von Trump mit anderen so sieht man einen extrem kämpferischen Zug, der nahezu keine weichen, diplomatischen Züge trägt:

Eckige Umbrüche soweit das Auge reicht. Dies spricht für einen Menschen, der sich ausschliesslich vom Willen und von Machtinteressen leiten lässt und den Kampf als wesentlich erfährt. Das bestätigen auch andere Charakteranalysen zu Trump.

Im Vergleich dazu ist die Unterschrift von Obama mit wesentlich mehr Kurven angereichert, was für mehr diplomatisch-empathisches agieren spricht:

Angela Merkel hat sehr ausgeprägte Kurven, was ein sehr geschicktes, offenes, diplomatisches agieren anzeigt, – die Fähigkeit andere Standpunkte nachzuvollziehen und zu berücksichtigen –  jedoch auch manchmal etwas zu viel Anpassung:

Und zu guter sehen wir uns Gerhard Schröder an, welcher wieder deutlich mehr scharfe Winkel und Kanten hat, was auch in seinem Politikstil zu sehen war, beispielsweise im verkrampften Verhältnis zu George W. Bush bei dem keiner klein bei geben wollte.

Man braucht kein Graphologe sein um zu sehen, dass Trump für einen Politiker erstaunlich undiplomatisch und durchsetzungsbetont scheint. Er scheint keine andere Sichtweisen zu akzeptieren. Es ist also zu erwarten, dass er sich nicht von den Medienkampagnen einschüchtern lässt.

Hinter der aktuellen Entwicklung steckt allerdings weniger ein „dystopisches Untergangsszenario“, sonder ein Selbstbestimmungsprozess. Nein – Trump ist kein Sympath, doch Trump weckt auf und zeigt sich völlig unbeeindruckt von den emotionalen Angriffen unter der Gürtellinie.

Trump – Profiteur des „postfaktischen“ ?

Viele machen es sich einfach und sehen Trump als einen wesentlichen Protagonisten des Postfaktischen. Doch schaut man etwas genauer hin erkennt man das eigentliche Problem. Was ist denn eigentlich dieses „Postfaktische“? Es beschreibt eine Meinungsbildung, die „auf Gefühlen und nicht auf Fakten“ beruht. Man könnte weiter meinen es wäre ein Trend der Lüge, eine merkwürdige gesellschaftliche Erscheinungsform, welche aufgrund des Rückgangs von Tugend, Anstand und Sitte über uns gekommen ist. Doch dies ist eine recht naive Sicht der Dinge – besser wäre: Das postfaktische deckt die schon immer geläufige Herrschaftspsychologie auf. Genau genommen wäre es sogar besser von präfaktisch zu sprechen, denn es ist nur ein neues Wort für die allseits bekannte Stammtischkultur. Präfaktisch beschreibt den vitalen Gesellschaftskern, der sich darum dreht eine Sichtweise zu beanspruchen indem man den anderen wenn nötig auch mit unlauteren Mitteln hinausdrängt. Es ist ein menschliches Dilemma, dass wir unsere Beziehungen zwischen Über- und Unterordnung gestalten müssen um handlungsfähig zu sein. Stellen wir uns nur einmal vor zwei Präsidenten, wie im Beispiel Trump und Obama, müssten zusammen regieren. Es würde solange  gerangelt werden bis einer den Machtkampf für sich entschieden hat – erst anschließend kann der Präsident eigentlich regieren. Dieses Muster begegnet uns tagtäglich in unseren Beziehungen, beispielsweise wenn zwei Menschen gemeinsam auf eine Tür zulaufen – wer geht zuerst? Wer hält dem anderen die Tür auf? Wer grüßt zuerst, wer schaut scheinbar beschäftigt weg?

Um das ganze aufzulockern haben sich mit der Zeit Sitten und Regeln etabliert, beispielsweise agieren wir im Straßenverkehr außerhalb dieser Muster, oder der Gentleman hält der Dame die Tür auf. Und darauf aufbauend kam es zur Emanzipation der Frau, welche eine Errungenschaft der liberaldemokratischen Gesellschaften ist. Darauf können wir stolz sein und das lohnt sich zu verteidigen. Doch mit der Zeit haben wir begonnen aus dem dynamischen Machtwechsel eine utopische Forderung nach Gleichheit zu destillieren. So berechtigt diese auch intellektuell erscheinen mag, sie funktioniert in ihrem absoluten Anspruch nicht. Das hängt mit den ursprünglichen menschlichen Bindungen zusammen. Das wird uns spätestens dieser Tage bewusst, wo wir uns wundern, wie doch jeder in seiner eigenen Wahrheit agiert. Es gibt unterschiedlichste Deutungshoheiten, welche durch das Internet und die Meinungsfreiheit miteinander wetteifern und unterschiedliche soziale Gefüge strukturieren. Die Gesellschaft hat längst keine einheitliche Sicht auf die Entwicklungen der Welt mehr und ist dadurch derart polarisiert, dass sie nicht mehr handlungsfähig ist und dieser Zustand wird solange andauern bis eine Deutungshoheit den Kampf für sich gewonnen hat. Deshalb sehen viele Experten die Gefahr eines Bürgerkrieges in Deutschland als realistisch an. Das „postfaktische“ ist dabei nur ein altbewährtes intellektuelles Instrument um Deutungshoheit zu erlangen. Begriffe wie „Filterblase“ und „Meinungsfilter“ gaukeln uns vor es gäbe eine objektive und dem gegenüber eine verzerrte Sichtweise. Das mag in wissenschaftlichen Modellen mehr oder weniger zutreffen, doch nicht im sozialen. Die Debatte in den Leitmedien ist deshalb so verlogen, weil sie von einer vermeintlich höheren Warte das gleiche entwertende Spiel betreibt. Und das erkennt dank alternativer Medien nun eine große Anzahl von Menschen.

Man erkennt immer dann am deutlichsten was einen manipuliert, wenn man es neugierig herausfordert und unerwartet auf ein Tabu stößt.

Mit dieser Einsicht läuft der postfaktische Motor erst richtig auf Hochtouren, denn es wird klar, dass ohne Deutungshoheit und Machtkalkül die Zivilgesellschaft zu zerfallen droht. Der Mensch steckt in einem Dilemma, aus dem er sich nicht intellektuell herauswinden kann – es geht im sozialen um über- und unterordnung. Darüber wird verhandelt – permanent. Die alternativen Medien mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen unter Berufung auf die Meinungsfreiheit haben diese Dynamik derart verschärft, dass der westliche Mensch sich nicht mehr orientieren kann ohne sozial anzuecken.

Das Charakteristikum der aktuellen Periode ist die Polarisation und damit die Bekenntnis zu einer Gruppe ohne „political correctness“ – und das auf beiden Seiten.

Driftet Europa in einen Bürgerkrieg?

Deshalb ist es gut denkbar, dass wir in einen Bürgerkrieg driften und letztlich auf ein „Imperium“ zusteuern, bei dem es einen eindeutigen Narrativ gibt. Hinweise dafür sieht der Geschichtswissenschaftler David Engels in seinem Buch „Auf dem Weg ins Imperium“, in welchem er deutliche Parallelen zwischen dem Untergang der römischen Republik und dem heutigen Taumel Europas sieht.

Ich rechne mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen, welche eine grundlegende gesellschaftliche und politische Neuformierung Europas erzwingen werden, ob wir das wollen oder nicht, ganz nach dem Vorbild der zerfallenden Römischen Republik im ersten Jahrhundert vor Christus

(…)

Die Gemeinsamkeiten mit der Römischen Republik seien schon seit Jahrzehnten „so massiv und augenscheinlich, dass man fast fragen müsste, wo es keine gibt. Zu sehen sei das an zahlreichen Faktoren: der Arbeitslosigkeit, dem Familienzerfall, Individualismus, Niedergang traditioneller Konfessionen, der Globalisierung (damals in Form der Romanisierung), dem Bevölkerungsrückgang, Fundamentalismus, der Migration, Verarmung, der Mentalität à la „Brot und Spiele“, der Kriminalität, Polarisierung zwischen einer oligarchischen Politikerkaste auf der einen Seite und unzufriedenen „Populisten“ auf der anderen. Dazu gehöre auch der Versuch, „Barbaren“ in asymmetrischen Kriegen mit diesen Werten zu beglücken.

Am Ende der römischen Republik entstand mit Kaiser Augustus das römische Kaiserreich, welches unter der Devise der „Wiederherstellung der Republik“ das Reich in eine Monarchie umwandelte.

Das Dilemma der Medien

Das Szenario ist der Politik durchaus bewusst und so versucht man -für den neutralen Beobachter schon lange offenkundig- massiv Meinung zu machen. Aktuell läuft beispielsweise eine riesige Kampagne gegen Trump, weil dieser nicht die Werte der westlich demokratischen Gesellschaft vertritt. Setzt er sich durch, so wäre dies ein Umsturz im sozialen Gefälle. Gewinner wäre natürlich nicht das Volk, so wie das Volk nie in einem pauschalen Sinne Gewinner sein kann, sondern es wäre eine deutliche Annäherung zu der autokratischen Wertegesellschaft und somit eine Bedrohung des emanzipierten, globalisierten Weltbildes. Aber auch auf der anderen Seite ein Gewinn an Handlungsfähigkeit und langfristiger, strategischer Ausrichtung. Es dürfte ausreichend klar geworden sein, dass wir beide Qualitäten in Zukunft benötigen. Seit geraumer Zeit ist die westliche Mediendemokratie in einem Teufelskreislauf, in der sie, wie Precht sagt, nur noch taktiert und keinen Masterplan hat. Das was von vielen Lügenpresse genannt wird trifft aufgrund der Veranlagung des Menschen nicht den Kern der Sache – es ist die Unfähigkeit auf Basis von Gleichheit, Meinungsfreiheit und investigativem Journalismus eine vitale Gesellschaft aufrecht zu erhalten. Das Dilemma der westlichen Medien ist, dass sie ihren eigenen Werten widerspricht, weil sie das heisse Eisen der Gleichheit und Meinungsfreiheit (zu unser aller Glück) angefasst hat. Deshalb bekommen regressive Kräfte nun Rückenwind, weil sie den vitalen  Kern einer Gesellschaft realistischer abbilden und nicht so sehr an das konfektionistische Über-Ich appellieren.

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ ist das Gebot der Stunde.

Die Aussicht aus dem prä/postfaktischen Zeitalter wieder auf faktischen Grund zu geraten scheinen in naher Zukunft aussichtslos. Alle Argumente sprechen dafür, dass die Debattenkultur weiter um Status und Meinungshoheit geht und somit der faktische Boden, der bisher die Spielregeln maßgeblich bestimmt hat, weiter erodiert. Trump ist hier ein Beschleuniger der Dynamik, weil er uns zwingt unsere intellektuellen Werte in ein vitales Engagement zu transformieren und unseren Schatten ans Tageslicht befördert.

Trumps Pille ist so bitter wie lehrreich, denn aufgrund dieser kollektiven Erfahrung ist die Gesellschaft im Stande neu über Lebensqualität, Gemeinschaft, Glück und Werte nachzudenken – nicht als regressives festnageln von Machtverhältnissen, nicht als gieriges erheischen von Machtpositionen und nicht als idealistisches anprangern von jeglicher Ungleichheit. Die Machtfrage kann dynamisch, bewusst und spielerisch in die Gesellschaft einfliessen und überholte Muster auflockern und beleben. Wir alle sind Zeugen dieses entscheidenden Schrittes in der Evolution der Gesellschaft hin zu einer reifen, aufgeklärten und dennoch vitalen Gesellschaft.

Quellen:

Bild by „An African shaman and rain-maker in his/her ritual costume.“ by wellcome under CC 4.0

Zitat Precht Interview Tilo Jung

Ausschnitt zu den Parallelen von EU und römischer Republik von David Engels aus folgendem Interview

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Published on: 08/02/2017

Filed Under: Integrales Bewusstsein, Meinung, News

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