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Diese Seite behandelt die Meditation aus wissenschaftlicher Sicht (Bewusstseinsforschung, neurologische Veränderungen uvm.), Meditation aus religiöser Sicht, als auch Meditation aus praktischer Sicht (binaurale Beats zur Unterstützung, Anleitungen, Techniken und mehr).

 

1. Definition

In der Traditionellen Auffassung von Meditation haben sich zwei unterschiedliche Bedeutungen herauskristallisiert. Die erste meint, über ein spezifisches Thema -meist ein philosophisches oder metaphysisches- in einer vertieften Art und Weise nachzudenken. Die zweite meint die kontemplative Praxis, welche in nahezu allen Religionen zu finden ist. Letztere soll auf dieser Seite näher beleuchtet werden.

 

Meditationstechniken sind im wesentlichen in drei Kategorien einzuteilen:

1. Das Erreichen eines Zustands gesteigerter Wachsamkeit ohne speziellen Fokus (Wachsamkeit)
2. Eine gezielte Fokussierung auf ein Objekt zu erreichen und zu halten (Fokussierung)
3. Eine Kombination zwischen Fokussierung und Wachsamkeit

Heutzutage wurde eine vielzahl von Meditationstechniken im Westen aus dem Osten adoptiert. Einige orientieren sich dabei am Buddhismus, Zen, Hinduismus (Vedanta) oder am Judentum (Kabballah) und mehr. Viele Menschen praktizieren die Meditation jedoch auch ohne religiösen oder spirituellen Hintergrund einfach zur Steigerung des Wohlbefindens oder aus Gründen der Selbsterkenntnis.

 

Die Meditation ist auch Gegenstand von Experimenten um ihre Wirkungen auf Psyche und sogar Materie zu untersuchen.

Der Dalai Lama sagt dazu (aus dem englischen übersetzt)
dalai lamaBis vor kurzem glaubten Wissenschaftler, dass nach der Adoleszenz die Hardware des menschlichen Gehirns relativ unveränderbar bleibt. Aber neue Entdeckungen der Neurobiologie haben ein bemerkenswertes Potenzial für Veränderung im menschlichen Gehirn selbst bei Erwachsenen, welche so alt sind wie ich, entdeckt. Auf der Mind and Life Conference in Dharamsala im Jahre 2004 lernte ich die wachsende Unterdisziplin der Neurowissenschaft kennen, welche sich „Gehirnplastizität“ nennt. Dieses Phänomen zeigt mir, dass Eigenschaften, welche als unveränderbar angesehen wurden – wie Persönlichkeit, Disposition oder sogar Stimmungen – nicht permantent sind und dass geistige Übungen oder Änderungen in der Umgebung diese Eigenschaften verändern können. Ebenso haben Experimente gezeigt, dass erfahrene Meditatoren eine größere Aktivität in der linken frontalen Hirnregion erzeugen, der Teil des Gehirns welcher mit positiven Emotionen wie Glück, Freude und Zufriedenheit assoziiert wird.

Diese Ergebnisse implizieren, dass Glück etwas ist, was wir bewusst kultivieren können durch geistiges Training, welches das Gehirn beeinflusst. Der Buddha selbst sagte, dass wenn man gewisse Arten von Ergebnissen zu vermeiden wünscht, die Konditionen ändern muss, welche diese Ergebnisse erzeugen. Wenn man also die Konditionen seines Geisteszustandes ändert, kann man die Eigenschaften seines Bewusstseins und die daraus resultierenden Standpunkte und Emotionen ändern.“

 

Die Untersuchungen am IONS (Institue of Noetic Sciences) haben gezeigt, dass Meditation eine der Schlüsselpraktiken ist um eine positive Transformation des Bewusstseins zu kultivieren. Neben der Änderung der Weltsicht wird die Meditation von vielen auch als Weg zur Transzendenz und Erleuchtung gesehen.

 


2. Meditation in der Wissenschaft

indexDurch medizinische Untersuchungen können Bewusstseinszustände einer neurologischen Aktivität zugeordnet werden. Durch die neuronale Netze Theorie sind gewisse Phänomene (Lernen, Gedächtnis etc.) gut verständlich. Die Meditation hingegen gleicht eher einer Dekonstruktion der Funktionen. Die aufgenommenen Reize werden nicht mehr kognitiv bewertet und das Erschaffen der Zeit wird aufgegeben. Das Mind and Life Institut vom Dalai Lama befasst sich beispielsweise mit der wissenschaftlichen fundierung der meditativen Erlebnisse.

Meditation wurde zum Beispiel von der University of California anhand von Hirn-Scans in einem Experiment untersucht. Dabei zeigte sich  eine verstärkte Aktivierung der rechten ventrolateralen, Präfrontal Cortex und eine Beruhigung der Amygdala Region.

Auch in der Quantenphysik ist eine Wechselwirkung zwischen Beobachtetem und Beobachter festgestellt worden. So bilden die Teilchen im Doppelspalt Experiment unterschiedliche Interferenzmuster, je nachdem ob ein Messgerät beteiligt ist oder nicht. Am Institut für Noetic Sciences (IONS) hat man das Doppelspaltexperiment nun mit Meditierenden wiederholt und diese aufgefordert die Aufmerksamkeit phasenweise auf das Experiment zu fokussieren. Die Ergebnisse führten zu signifikatnen Änderungen, welche die These, dass Bewusstsein und Materie miteinander interagieren unterstützten.

 


3. Meditation in den Religionen

3.1 Meditation im Hinduismus

meditation bigDer Hinduismus ist die drittgrößte Religion der Welt mit ihrem Hauptwirkungsbereich in Indien. Genau genommen ist es keine einheitliche Religion, sondern umfasst ganz unterschiedliche Glaubensrichtungen (monotheistisch, dualistisch, polytheistisch), die allerdings weitestgehend friedlich unter dem Namen zusammenfinden. Ursprünglich war der Begriff „Hindu“ eine geographische Abgrenzung von den Muslimen und bezeichnete die Menschen hinter dem Indus. Erst in der britischen Kolonialzeit wurde zwischen dem säkulären Begriff „Inder“ und „Hindu“ unterschieden. Die Inhalte des Hinduismus wurden lange Zeit mündlich, vor allem durch Gesänge, weitergegeben.

 

Ein zentraler Aspekt in der religiösen Lehre des Hinduismus ist das Karma. Für das Wort Karma gibt es im deutschen keine treffende Übersetzung, es ist vermutlich am ehesten mit Geist zu übersetzen. Damit gemeint ist, dass der Mensch keinen freien Willen im eigentlichen Sinne hat, sondern durch sein „Karma“ geleitet ist. Somit ist er in einen Kreislauf aus Leid, Lust und Täuschung hineingeworfen um zu lernen und letztlich das göttliche Selbst zu erkennen. Ein weiterer damit zusammenhängender Aspekt ist der Glaube an die Wiedergeburt. Somit haben die Taten des vorherigen Lebens Auswirkung auf das jetztige. Ein Mensch, welcher ohne weiteres Zutun und ohne spirituelle Praxis lebt, kann sein Karma in tausenden von Jahren abtragen. Mittels Yoga Praktiken und Meditation soll dieser Prozess deutlich beschleunigt werden, sodass man sogar zu lebzeiten in  den göttlichen Zustand eingehen kann (Samadhi).

Das Verweilen im Lotussitz (Meditation) ist eine gängige Praxis im Hinduismus. Von zentraler Bedeutung ist aber auch der sogenannte Kriya-Yoga. Yoga bedeutet „Vereinigung mit dem Unendlichen“ und „Kriya“ meint durch eine bestimmte Technik.

 

Die Technik des Kriya Yoga

Die folgende Passage ist ein Zitat aus der Autobiographie eines Yogi

Kriya Yoga ist eine psycho-physiologische Methode mit deren Hilfe dem menschlichen Blut Kohlendioxyd entzogen und Sauerstoff zugeführt wird. Diese zusätzlichen Sauerstoffatome werden in einen „Lebensstom“ verwandelt, der das Gehirn und die Rückenmarkzentren neu belebt. Dadurch, dass der Yogi die Anhäufung venösen Blutes verhindert, kann er den Verfall der Zellen reduzieren oder sogar aufheben. Ein fortgeschrittener Yogi verwandelt seine Körperzellen in reine Energie. (…) Der Yogi hält den Verfall seines Körpers auf, in dem er sich durch Beruhigung der Lungen- und Herztätigkeit einen zusätzlichen Vorrat an Prana (Lebenskraft) verschafft. Außerdem wirkt er den wachstumsbedingten Veränderungen im Körper durch Beherrschung des Apana (ausscheidenden Stromes) entgegen. Indem der Yogi auf diese Weise Verfall und Wachstum neutralisiert, erlangt er Herrschaft über seine Lebenskraft.

 

Ein anderer Gita Vers lautet: „Wer der Meditation kundig ist (der Muni), wer das höchste Ziel verfolgt und sich von allen äußeren Erscheinungen abkehrt, indem er den Blick auf die Stelle zwischen den Augenbrauen richtet und die gleichmäßigen Ströme des Prana und Apana (die) innerhalb der Nase und der Lunge (fließen) neutralisiert, wer sein Sinnesbewusstsein und seine Geisteskräfte beherrscht und Begierde, Furcht und Zorn überwindet, erlangt ewige Freiheit“.(…)

 

"OM" Symbol

„OM“ Symbol

„Der Kriya-Yoga besteht aus der Disziplinierung des Körpers, Herrschaft über die Gedanken und Meditation über OM.“ Patanjali spricht von OM als dem Gott offenbarenden Wort, das man in der Meditation hören kann. OM ist das Schöpferwort, das Summen des kosmischen Motors, der Zeuge der Göttlichen Gegenwart. Selbst der Anfänger im Yoga kann in seinem Innern bald den wundersamen Laut OM erklingen hören und gewinnt aufgrund dieses freudigen geistigen Erlebnisses die Überzeugung, mit übernatürlichen Bereichen in Verbindung zu stehen. (…)

 

In den anfänglichen Stadien der Gottvereinigung (Savikalpa-Samadhi) verschmilzt das Bewusstsein des Meditierenden mit dem Kosmischen Geist; seine Lebenskraft wird vom Körper zurückgezogen, der „tot“, d.h. starr und leblos, erscheint. Dabei ist sich der Yogi der aufgehobenen Lebenstätigkeit seines Körpers vollkommen bewusst. Wenn er jedoch höhere geistige Bewusstseinsstadien erreicht (Nirvikalpa-Samadhi), ist er auch im normalen Wachzustand, ja, selbst bei intensiver weltlicher Tätigkeit, mit Gott verbunden, ohne dass der Körper dabei erstarrt. (…)

 

„Die Yogis des Altertums entdeckten, dass der Schlüssel zum kosmischen Bewusstsein hauptsächlich in der Herrschaft über den Atem liegt. Hierin besteht Indiens einzigartiger und zeitloser Beitrag zum Wissensschatz der Welt. Die Lebenskraft, die gewöhnlich durch die Herztätigkeit verausgabt wird, muss mit Hilfe einer atemberuhigenden Methode für höhere Funktionen freigemacht werden.“ Der Kriya-Yogi lernt, seine Lebenskraft geistig in einem Bogen um die sechs Rückenmarkzentren auf- und abwärts kreisen zu lassen (das Mark-,Nacken-,Herz-,Lenden-,Kreuzbein- und Steißbeinzentrum), die den zwölf astralen Tierkreiszeichen, d.h. dem symbolischen Kosmischen Menschen, entsprechen. Diese eine halbe Minute lang um das empfindsame Rückenmark des Menschen fließende Energie bewirkt einen subtilen Fortschritt in seiner Evolution; denn eine halbe Minute Kriya entspricht einem Jahr natürlicher geistiger Entwicklung. (…)

 

Der Anfänger im Kriya übt seine Yoga-Technik morgens und abends nur 14- bis 24-mal. Eine Anzahl von Yogis erreicht ihre Befreiung nach 6, 12, 24 oder 48 Jahren.

(Autobiographie eines Yogi , S.267-271)

 

 

3.2 Meditation im Christentum

 

Ich sitze hier vor Dir, Herr, aufrecht und entspannt, mit geradem Rückgrat.
Ich lasse mein Gewicht senkrecht durch meinen Körper hinuntersinken auf den Boden, auf dem ich sitze.

 

Auch wenn Meditation keine typisch christliche Praxis ist hat die Meditation ihren Platz im Christentum. Im mittelalterlichen Christentum wurden die „geistlichen Übungen“ lectio (aufmerksame Lesung), meditatio (gegenstandfreie Anschauung), oratio (Gebet) und contemplatio (gegenständliche Betrachtung, Kontemplation) zur Sammlung des Geistes überliefert.Vor allem von Mystikern wird sie oft unter dem Begriff „Kontemplation“ beschrieben. Ein unbekannter Meister im 14ten Jahrhundert hat Schriften hinterlassen die sich um christliche Kontemplation bzw. christliche Meditation drehen und den Eintritt in eine Wolke des Nichtwissens beschreiben, aus denen hier einige Passagen zitiert werden. Auch der Papst übt die Praxis der christlichen Meditation. Die christlichen Mystiker wurden im Laufe des 15ten Jahrhunderts von der Kirche verboten, doch es finden sich Elemente einer christlich- meditativen Praxis bis heute in den Exerzitien von Ignatius von Loyola oder einigen benediktinischen und franziskanischen Traditionen sowie in der Ostkirche im Hesychasmus.

 

Meditation des Papstes

Wer meditiert, so der Papst, sei „von den Vätern und Müttern der Kirche, von der Gemeinschaft der Heiligen“ umgeben. Die Meditation, von der Papst Benedikt XVI. hier spricht, sprengt die Grenzen von Zeit und Raum.

Der Papst hat von seinen persönlichen Erfahrungen erzählt und festgestellt, dass es „nicht das ‚Ich denke‘ ist, das die ganze Wirklichkeit zu ‚erklären‘ vermag“.

„Jemand bedarf des Hörens, des Hörens auf den anderen, vor allem auf den anderen schlechthin: Gott“. Wer mit einer hörenden Haltung meditiert, „erkennt sich selbst“ und mehr noch:„Nur so wird jemand er selbst.“ Meditatives Gebet führt zur umfassenden Selbsterkenntnis.

(mehr zur Meditation des Papstes auf zenit.org)

 

Die folgenden Passagen entstammen aus dem Buch Wolke des Nichtwissens

Christliche Meditation – Wie man die Übung beginnen soll und weshalb sie besser ist als alle anderen geistlichen Übungen

Richte dein Herz voll Vertrauen und Liebe auf Gott. Verlange nur nach ihm und nach keiner seiner Eigenschaften. Weigere dich entschieden, an irgend etwas außer ihm zu denken, damit nichts außer ihm allein dein Denken und dein Wollen erfülle. Bemühe dich entschieden, alle von Gott geschaffenen Wesen und was zu ihnen gehört zu vergessen. Richte dein Denken und Wollen auf keines von ihnen, beschäftige dich weder allgemein noch im Besonderen mit ihnen. Löse dich von ihnen und schneke ihnen keine Beachtung. Ein solches Handeln des Menschen, tief im Innern, gefällt Gott am allermeisten. Alle Engel und Heiligen empfinden Freude darüber und werden sich bemühen, es nach Kräften zu unterstützen. Die widrigen Kräfte jedoch werden sich empört erheben, sobald du mit dieser Beschäftigung beginnst; auf alle möglichen Weisen versuchen sie, die Übung zu verhindern. (S.39)

Wie lange dauert eine christliche Meditation?

Diese Übung braucht keine lange Zeit, wie manche meinen. Sie ist der kürzeste Akt, den man sich denken kann. Diese Hinwendung zu Gott vollzieht sich in einem einzigen Nu, im Zeit-Nu. Doch genau von diesem Zeit-Nu steht geschrieben: Von dir wird Rechenschaft gefordert, wie du die Zeit, die dir gegeben ist, verwendet hast. Mit Recht hast du diesen Zeitmoment (der reinen Gegenwart) zu verantworten; denn es ist genau der Zeitmoment in dem sich dein Wille, die Hauptkraft deiner Seele, mit einem einzigen Impuls Gott zuwendet. Es kann in einer Stunde nur so viele Willensimpulse und Absichtsakte der Grundkraft des Willens geben, wie es kleinste Zeit-Nus gibt.

Wirst du durch Gnade rückversetzt in den Ursprungszustand des Menschen, wie er vor der Trennung war, dann wärst du aufgrund dieser Gnade Herr über alle deine Willensimpulse und Absichtsakte; keine würde vergeudet, sondern alle würden zum Gipfel allen Suchens hinstreben, dem höchsten Ziel menschlichen Wünschens und Verlangens, nämlich zu Gott. (S.40-41)

Die Wolke des Nichtwissens in der christlichen Meditation

Willst du also in die Wolke des Nichtwissens eintreten und darin bleiben und wirken, worum ich dich bitte, so musst du auch eine Wolke des Vergessen schaffen, unter dir, zwischen dir und allen je geschaffenen Dingen, der Wolke vergleichbar, die sich über dir, zwischen dir und deinem Gott befindet, nämlich der Wolke des Nichtwissens. Vielleicht meinst du, du wärst von Gott weit entfernt, weil die Wolke des Nichtwissens zwischen dir und ihm steht. Doch bist du eigentlich viel weiter von ihm entfernt, wenn keine Wolke des Vergessens zwischen dir und allen je geschaffenen Dingen steht. (S.46). (…) Während der Übung musst du mit der Wolke des Vergessens bedeckt sein.

Zu gewissen Zeiten und bei bestimmten Gelegenheiten ist es selbstverständlich notwendig und nützlich, sich mit den Einzelheiten bestimmter Geschöpfe zu beschäftigen, doch bei der Kontemplation hat man davon wenig oder gar keinen Nutzen. Erinnerung oder Gedanken an irgendein von Gott geschaffenes Wesen oder was mit ihm zusammenhängt, gleichen einer Art geistigem Licht. Das Seelenauge blickt scharf darauf und ist fixiert wie das Auge des Schützen auf die Scheibe, auf die er zielt. Eines sage ich dir: Woran immer du denkst, es steht, solange du daran denkst, zwischen dir und deinem Gott. Je mehr du außer Gott noch anderes im Sinne hast, umso weiter bist du von ihm entfernt.

Im Grund müsste man sagen: Bei der Kontemplation nützt es wenig oder nichts, an Gottes Güte und Erhabenheit zu denken, an unsere Liebe Frau oder an die Engel und Heiligen im Himmel, auch nicht an die Freude des Himmels. Es nützt dir wirklich nichts, ihnen deine besondere Aufmerksamkeit zu schenken in der Absicht, dadurch besser und schneller zum Ziel zu kommen. Eine Beschäftigung dieser Art nützt dir nichts. Natürlich ist es gut, Gottes Güte zu betrachten und ihn dafür zu lieben und zu loben. Doch jetzt ist es viel besser, auf sein nacktes, pures Sein zu achten und ihn um seiner selbst willen zu lieben und zu loben.

(S. 47).

 

Störende Gedanken in der christlichen Meditation

Es bleibt nicht aus, dass dir ablenkende Gedanken kommen die sich zwischen dich und dieses Dunkel drängen. So etwa mit der Frage „Was suchst du denn, und was ist deine Absicht?“. Dann sage „Ich suche allein Gott, und nach ihm sehne ich mich und nach nichts als ihm.“ Fragen sie dich „Wer ist dieser?“, so sage ihnen: „Gott, der mich geschaffen, erlöst und gnädig zu einem Leben der Liebe erwählt hat.“ Sage ihnen „Ihr versteht nichts von Gott“, und : „Verschwindet!“ Bringe sie mit einer Regung der Liebe zu Gott schnell unter die Wolke des Vergessens, mögen sie dir auch recht fromm erscheinen und magst du auch den Eindruck haben, sie möchten dir helfen, Gott zu finden.

Die Gedanken erinnern dich vielleicht in vielfacher Weise an Gottes unfassbare, große Güte und sagen dir, wie sanft und liebevoll, gnädig und verzeihend er ist. Du kannst ihnen keinen größeren Gefallen tun, als ihnen zuzuhören. Sie werden ihr Garn immer weiter spinnen, dich an das Leiden Christi erinnern und Gottes wunderbare Güte in Erinnerung rufen. Nichts regt sie mehr an, als ihnen Gehör zu schenken. Dann erinnern sie dich an dein früheres schlechtes Leben. Während du daran denkst und es vor dir siehst, erinnerst du dich an einen Ort, an dem du früher warst, bis du dich schließlich, ohne es zu bemerken, im Vielerlei deiner Gedanken völlig verlierst. Die Zerstreuung kommt daher, dass du den Gedanken Gehör schenktest, auf sie eingingst, sie aufnahmst und sie sich dann frei entfalten ließest. (S.49).

Kontemplative christliche Lebensweise und aktive christliche Lebensweise

Es gibt zwei Lebensformen in der Gemeinschaft Christi (der heiligen Kirche): die aktive und die kontemplative. Das aktive Leben ist die niedere, das kontemplative Leben die höhere Form. In beiden Lebensformen gibt es jeweils zwei Stufen, eine höhere und eine niedrigere. Diese zwei Lebensformen sind trotz ihrer Unterschiede voneinander abhängig, da keine ohne die andere sein kann. Die obere Stufe im aktiven Leben ist zugleich die untere des kontemplativen Lebens. Darum kann ein Mensch nicht im vollendeten Sinn aktiv leben, ohne zugleich kontemplativ zu sein, und ebenfalls nicht wirklich kontemplativ (soweit das hier auf Erden überhaupt erreichbar ist), ohne in gewisser Weise aktiv zu leben. (…) Im aktiven Leben hat man viel Sorge und Mühe. Das kontemplative Leben dagegen ist voller Frieden und ganz auf das Eine, Notwendige ausgerichtet.

Auf der unteren Stufe aktiven Lebens lebt der Mensch außerhalb seines wahren Selbst und bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Auf der höheren Stufe des aktiven Lebens, zugleich der unteren Stufe kontemplativen Lebens, steht der Mensch in sich selbst und wahrhaftig bei sich. Auf der höheren Stufe kontemplativen Lebens übersteigt der Mensch sich selbst und reicht an Gott heran. (S.54-55)

Entnommen aus dem Buch Wolke des Nichtwissens

 

Weitere Kerngedanken zur christlichen Meditation

⊕ Bei der kontemplativen Übung sind selbst die erhabensten Gedanken mehr Hindernis als Hilfe

⊕ Jeder Gedanke und jeder Impuls sollen aufmerksam geprüft werden. Nachlässigkeit bei lässlichen Sünden ist zu vermeiden.

⊕ Kontemplation tilgt die Neigung zum Bösen und entwickelt die Grundqualitäten wahren Menschseins.

⊕ Ein wahrhaft bekehrter und zur Kontemplation berufener sündiger Mensch kommt durch das Üben der Kontemplation eher zur Vollkommenheit als durch irgendein anderes Tun.

⊕ Bis heute beklagen sich die Tätigen über die Kontemplativen wie damals Martha über Maria. Unwissenheit ist der Grund.

⊕ Die göttliche Allmacht wird jene verteidigen, die die Übung der reinen Liebeshingabe an ihn nicht unterbrechen wollen, um sich zu rechtfertigen.

⊕ Der Anfänger sollte sich drei Dinge angewöhnen: Schriftlesung, Betrachtung und Gebet.

⊕ Jedes Gewahr- und Bewusstsein seiner selbst muss zurückgelassen werden, wenn Kontemplation zu ihrem Ziel gelangen soll.

⊕ Außergewöhnliche Erlebnisse wie Hören überirdischer Klänge, Erleben himmlischer Freude und Süße sind nur Durchgang.

⊕ Vergessen von Raum und Zeit führt zum Gewahrsein des Allganzen. Für unseren äußeren Menschen ist Kontemplation sinnloses Tun.

Gedicht zur christlichen Meditation

Der Schwede Dag Hammerskjölds, ehemaliger Generalsekretär der UNO, hat folgendes Gedicht zur  christlichen Meditation verfasst

Du, der über uns ist,
Du, der einer von uns ist,
Du, der ist –
auch in uns.

Ich halte meinen Geist fest in meinem Körper.
Ich widerstehe seinem Drang, aus dem Fenster zu entweichen,
an jedem anderen Ort zu sein als an diesem hier,
in der Zeit nach vorn und hinten auszuweichen,
um der Gegenwart zu entkommen.
Sanft und fest halte ich meinen Geist dort, wo mein Körper ist: hier in diesem Raum.
In diesem gegenwärtigen Augenblick lasse ich alle meine Pläne, Sorgen und Ängste los.
Ich lege sie jetzt in Deine Hände, Herr.
Ich lockere den Griff, mit dem ich sie halte und lasse sie Dir.

Für den Augenblick überlasse ich sie Dir.
Ich warte auf dich erwartungsvoll.
Du kommst auf mich zu, und ich lasse mich von Dir tragen.

Ich beginne die Reise nach innen.
Ich reise in mich hinein zum innersten Kern meines Seins, wo Du wohnst.
An diesem tiefsten Punkt meines Wesens bist du immer schon vor mir da,
schaffst, belebst, stärkst ohne Unterlaß
meine ganze Person.

Gott, Du bist lebendig.
Du bist in mir.
Du bist hier.
Du bist jetzt.

Du bist der Grund meines Seins.
Ich lasse los.
Ich sinke und versinke in Dir.
Du überflutest mein Wesen.
Du nimmst von mir Besitz.

Ich lasse meinen Atem zu diesem Gebet der
Unterwerfung unter dich werden.
Mein Atem, mein Ein- und Ausatmen, ist
Ausdruck meines ganzen Wesens.
Ich tue es für dich – mit Dir in Dir.

Unterschiede christlicher Meditation und östlicher Meditation

Das christliche Verständnis ist vor allem theistisch, d.h. es siedelt Gott außerhalb des Menschen an.

Im östlichen Verständnis gleicht das Göttliche mehr einer universellen Einheit.

 

 


4. Meditationstechniken

4.1 Meditation mithilfe binauraler Beats:


Binaurale Beats bzw. binaurale Frequenzen werden auch Hemi Sync genannt. Hemi Sync bedient sich spezifischer Muster aus Stereo-Klangwellen (in für jedes Ohr etwas unterschiedlichen Frequenzen), um eine synchronisierte Gehirnwellenaktivität hervorzurufen. Erzeugt werden diese binauralen Schwebungen in einer Frequenz, welche die arithmetische Differenz zwischen den beiden Signalfrequenzen ist. Indem sie sich eines alten, aber höchst genauen Taktgebers im Stammhirn bedienen, der normalerweise die Lokalisierung von Schallquellen in der horizontalen Ebene um den Kopf herum möglich macht, können diese binauralen Schwebungen das angrenzende retikuläre Aktivierungssystem mitreißen, das dauerhafte Taktsignale an den Thalamus und den Kortex gibt und so Bewusstsein ermöglicht. Diese Signale erzeugen eine Gehirnwellensynchronie im Bereich zwischen 1 und 25 Hertz, einschließlich des entscheidenden Bereichs unterhalb der normalen menschlichen Hörschwelle (20 Hz). Dieser niedrigste Bereich wird mit Gehirnwellen im Delta (< 4 Hz, normalerweise bei tiefem, traumlosem Schlaf vorkommend), im Theta- (4 bis 7 Hz, in tiefer Meditation und Entspannung sowie im Nicht-REM-Schlaf) und im Alpha-Bereich (7 bis 13 Hz, charakteristisch für den REM- oder Traumschlaf sowie für Müdigkeit an der Grenze zum Schlaf und Entspannung im Wachzustand) in Verbindung gebracht.

(entnommen aus „Dr. med. Eben Alexander: Blick in die Ewigkeit – Die faszinierende Nahtoderfahrung eines Neurochirurgen.„, S.214)

 

5. Aktuelle Beiträge zur Meditation


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