Du befindest dich hier: Home » Schaulogik, Schaulogisches Denken, integral aperspektivisch

Schaulogik, Schaulogisches Denken, integral aperspektivisch

schaulogik integral

Stellt man sich den Punkt der Schaulogik als beweglich vor, wird deutlich was gemeint ist: Andere Perspektiven berücksichtigen bei Wahrung des eigenen Wertekosmos.

Schaulogisches Denken

Schaulogisches Denken zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass es verschiedene Perspektiven annehmen und wertschätzen kann. Es ist ein postmodernes Verständnis der Welt und versteht Wissen innerhalb eines Contextes und nicht mehr absolut.  Schaulogik ist integral-aperspektivisch, d.h. sie bevorzugt keine Perspektive, sondern sieht einen Gewinn im Zusammenwirken unterschiedlicher Perspektiven. Demnach ist sie eine neue Entwicklung weg von der puren Rationalität. Jene mentale Rationalität baut sich gern ein geschlossenes Verständnis der Welt auf und schottet sich ab von Ansichten, welche nicht ihre vorgefasste (und oft gut durchdachte) Überlegung bestätigen. Die Schaulogik ist also ein Büchsenöffner, der die Haltung des Recht-Habens auflockert, ohne in Beliebigkeit zu verfallen. Das schaulogische Denken wird auch integral genannt, da es z.B. laut Spiral Dynamics auf der integralen Stufe auftaucht. Es öffnet sich auch wieder inneren mythologischen Bildern und der Intuition, welche auf den vormals rationalen Überlegungen als nicht greifbar ausgeklammert wurden. Zugleich lässt es sich von diesen inneren Eindrücken jedoch nicht überwältigen und wirft auch seine Ethik und sein rationales Denken nicht über Bord. Idealisten unterscheiden zwischen einer Rationalität die formal, beschreibend und empirisch analytisch ist und einer Rationalität, welche dialogisch, dialektisch und netzwerk-orientiert ist. Letzteres entspricht der Schaulogik, wobei hier nochmals betont werden soll, dass die Schaulogik nicht das formal-empirisch-analytische ausblendet, sondern integriert. Es gleicht die anderen Perspektiven mit der eigenen ab, ohne die eigene als Ultima-Ratio zu sehen. Betrachtet man die kognitive Entwicklung des Menschen so taucht die Schaulogik erst recht spät auf und wird somit der reinen Rationalität „übergeordnet“. Sie umfasst die ihr vorhergehenden Stränge (holistisches Modell). Wenn ein Mensch Zugang zu Schaulogik hat, heisst das nicht automatisch, dass er bzw. sie auch in ihr verankert ist. Ebenso gilt das natürlich für  die Rationalität. Wenn jemand primär aus der Schaulogik heraus denkt, wahrnimmt und agiert, dann steht er an der Schwelle zu einer transpersonalen Wahrnehmung.

Unterscheidung frühe Schaulogik – mittlere Schaulogik – späte Schaulogik

frühe mittlere späte schaulogik integral

Frühe Schaulogik

Die frühe Schaulogik ist überwältigt von der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Individuen und Weltsichten und möchte alles wertschätzen. Personen mit zentrierung auf der frühen Schaulogik entsprechen dem grünen Mem in den Spiral Dynamics und verlieren sich oft in zu idealistischen Ideen nach Gleichheit und Mitmenschlichkeit. Menschen, welche auf der frühen Schaulogik zentriert sind, möchten jeden integrieren und das Mindsetting am liebsten als individuelle Eigenart verstehen. Diese Stufe hat enorme Kapazitäten den anderen zu verstehen, anzuerkennen und sozial zu integrieren. In ihrem Schatten ist sie jedoch blind gegenüber subtilem Egoismus, mangelnder Ethik und ihrem eigenen Egoismus. Ihre Dynamik ist horizontal -Wir zentriert- erkundend.

Mittlere Schaulogik

Die mittlere Schaulogik versteht die anderen nun ziemlich schnell und erkennt auch sehr intuitiv dessen Typ, sieht das Mindsetting der anderen jedoch deutlich kritischer. Sie unterscheidet zwischen Individualismus und Egoismus und versucht sich in dem Chaos zu orientieren. Menschen, welche auf der mittleren Schaulogik zentriert sind suchen nach transpersonalen ethischen Einsichten, die für alle gleichermaßen gelten ohne zu unterdrücken. Sie finden dies in dem freiwilligen Bekenntnis zur Vernunft. Sie sind außerdem fähig sich abzugrenzen ohne den anderen Abzuwerten und können Hierarchien akzeptieren, wenn sie ihnen einleuchten. Sie empfinden meist eine ernstgemeinte Verantwortung gegenüber Dingen, die über sie hinaus gehen. Sie neigen zu intellektualisierung, kühler Anschauung und distanzierung. Ihr Dynamik ist vertikal – Ich zentriert-  wertend (ohne zu verurteilen).

Späte Schaulogik

Die späte Schaulogik erkennt sich und andere sehr schnell und ist sich des fremden wie eigenen Egoismus bewusst. Sie hat eine hohe Ethik und Vernunft und sieht zugleich ihre Eigenart, welche nicht immer damit vereinbar ist. Sie sieht und verzeiht sich ihre Fehler. Sie hat Orientierung gefunden und einen guten Draht zu den eigenen Stimmen. So lässt sie sich von den Begegnungen bereichern und ist neugierig auf das, was sie innerlich auslösen. Menschen, welche auf der späten Schaulogik zentriert sind, verbiegen sich nicht, lassen sich auf andere ein und sind ethisch hochstehend ohne belehrend zu sein. Ihre Dynmaik ist überwiegend horizontal -Wir zentriert- einlassend und zugewandt und gleichzeitig auch vertikal -Ich zentriert- gelassen.

Dazu passend folgende Zitate:

Die Tatsache, daß Bedeutung kontextabhängig ist – die zweite wichtige Wahrheit

der Postmoderne, auch Kontextualismus genannt – bedeutet, daß ein

multiperspektivischer Ansatz gegenüber der Wirklichkeit gefragt ist. Jede

einzelne Perspektive ist demnach wahrscheinlich parteilich, begrenzt, vielleicht

sogar entstellt, und nur durch die Würdigung mehrfacher Perspektiven und

mehrfacher Kontexte kann die Suche nach Wissen fruchtbar vorangetrieben werden.

Und diese „Diversität“ ist die dritte Wahrheit der allgemeinen Postmoderne.

Jean Gebser, den wir im Zusammenhang mit Weltsichten kennengelernt haben, prägte

den Begriff integral-aperspektivisch, um diese pluralistische oder

multi-perspektivische Sicht zu bezeichnen, die ich auch Schau-Logik oder

Netzwerk-Logik nenne. „Aperspektivisch“ bedeutet, daß keine einzelne Perspektive

privilegiert ist, und so brauchen wir, um eine holistischere oder integralere

Sicht zu bekommen, einen aperspektivischen Ansatz, was genau der Grund dafür

ist, daß Gebser diese Begriffe gewöhnlich verband: integral-aperspektivisch.

Gebser kontrastierte integral-aperspektivisches Erkennen mit formaler

Rationalität (Formop), oder was er „perspektivische Vernunft“ nannte, die dazu

neigt, eine einzelne monologische Perspektive und Sicht der ganzen Wirklichkeit

durch diese enge Optik hindurch einzunehmen. Wo perspektivische Vernunft die

ausschließliche Perspektive des bestimmten Objektes privilegiert, ergibt

Schau-Logik die Summe aller Perspektiven ohne eine zu privilegieren, und

versucht so, das Integrale, das Ganze, die multiplen Kontexte in Kontexten zu

erfassen, die den Kosmos endlos erschließen, nicht in einer rigiden oder

absolutistischen Weise, sondern in einem fließend holonischen und

multidimensionalen Gewebe.

Das ist eine fast exakte Parallele zu der großen Betonung, die die Idealisten

auf den Unterschied legen zwischen einer Rationalität (reason), die nur formal,

beschreibend oder empirisch-analytisch ist, und einer Rationalität, die

dialogisch, dialektisch und netzwerk-orientiert ist (Schau-Logik). Sie nannten

die erstere Verstand und letztere Vernunft. Und sie sahen Vernunft oder

Schau-Logik als eine höhere evolutionäre Entwicklung an als den reinen Verstand

oder formale Rationalität.

Auch Gebser glaubte, daß Schau-Logik eine evolutionäre Entwicklung über formale

Rationalität hinaus ist. Und Gebser und die Idealisten stehen nicht allein. Wie

wir wiederholt gesehen haben, sehen viele wichtige Theoretiker, von Jürgen

Habermas bis zu Carol Gilligan, postformales, dialektisches Erkennen als einen

höheren und umfassenderen Modus von Rationalität als Formop an (wie auf vielen

Tafeln angezeigt). Zu sagen, daß kognitive Entwicklung sich von formal zu

postformal erstreckt bedeutet zu sagen, daß kulturelle Evolution sich von modern

zu postmodern bewegt. Das ist natürlich eine komplexe, alle vier Quadranten

betreffende Angelegenheit, zu der so wichtige Entwicklungen wie die von

industriell zu informationell gehören; aber der Modus des Erkennens ist ein

entscheidendes Element, und die postmoderne Welt ist, auf der Höhe ihrer

Möglichkeiten, die postformale Welt.

Diese Schau-Logik kann nicht nur massive Querverbindungen erkennen, sie ist

selbst ein intrinsischer Teil des innerlich beziehungsreichen Kosmos, weshalb

Schau-Logik den Kosmos nicht nur beschreibt, sondern auch auch eine Leistung des

Kosmos ist. Natürlich sind alle Modi genuinen Wissens solche Leistungen; aber

Schau-Logik ist die erste, die dieses auch selbst-bewußt realisieren und

artikulieren kann. Hegel tat das in einer der ersten und bahnbrechenden

ausführlichen Darstellungen – Schau-Logik wurde ihrer selbst in Hegel

evolutionär bewußt – und Saussure tat genau dasselbe mit Linguistik. (10)

Saussure nahm Schau-Logik und wandte sie auf Sprache an, und deckte so zum

ersten Mal in der Geschichte ihre Netzwerkstruktur auf. Die linguistische Wende

ist im Grunde Schau-Logik, welche die Sprache selbst zum Gegenstand ihrer

Betrachtung macht. Diese selbe Schau-Logik ließ die ausführlich ausgearbeiteten

Versionen der Systemtheorie in den Naturwissenschaften entstehen, und sie stand

genauso hinter der Erkenntnis der Postmodernen, daß Bedeutung kontextabhängig

ist und Kontexte grenzenlos sind. In all diesen Bewegungen und über sie hinaus

erkennen wir die strahlende Hand der Schau-Logik, die endlosen Netzwerke

holonischer innerer Verbundenheit bekanntmachend, die das Gewebe des Kosmos

selbst bilden. Das ist der Grund, aus dem ich glaube, daß das Anerkennen der

Wichtigkeit von integral-aperspektivischer Bewußtheit die dritte große (und

gültige) Botschaft der Postmoderne im allgemeinen ist.

 

aus Anmerkung 27 zu Kap 9.

 

Ein paar Worte über Schau-Logik selbst. Als eine Grundstruktur umfaßt sie, als

Subholone in ihrem eigenen Sein, alle vorhergehenden Grundstrukturen,

sensomotorisch zu emotiv zu Phantasie zu formal zu ihrem eigenen postformalen

Sein, und sie integriert idealerweise alle diese Komponenten. Es ist nicht so,

daß Schau-Logik ohne Phantasie oder Emotion oder Regeln wäre, sondern sie hält

einfach alle in ihrem eigenen weiteren Raum, sodaß sie alle in einem noch

größeren Maß erblühen können. Commons und Richards, Fischer und Sinnott neigen

dazu, die kognitive Komponenten der Schau-Logik (und oft ihre extremen

Entwicklungen) zu betonen, während Basseches, Pascual-Leone, Labouvie-Vief und

Deirdre Kramer mehr ihre dialektischen, visionären und integrativen Fähigkeiten

hervorheben. Arieti unterstreicht, daß Schau-Logik eine Integration primärer und

sekundärer Prozesse ist – Phantasie und Logik – und so sehr kreativ sein kann

(die „magische Synthese“), und Jean Gebser betont die Transparenz, integrative

Fähigkeit und die multiplen Perspektiven der „integral-aperspektivischen“

Struktur. Sie alle sind meiner Ansicht nach wichtige Momentaufnahmen der

Schau-Logik, aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen.

Schau-Logik, wie jede kognitive Fähigkeit, kann alle Ebenen in allen Quadranten

zu ihrem Objekt machen, was in Wahrnehmungen von drastischer Unterschiedlichkeit

resultiert. Um sich zunächst einmal auf die Quadranten zu konzentrieren: wenn

Schau-Logik den Quadranten unten rechts anschaut, dann ist das Resultat

dynamische Systemtheorie in jeder ihrer vielen Formen, von Kybernetik zu

Chaostheorie zu Theorie sozialer Autopoiesie und Theorien von Komplexität. Sie

fokussieren alle auf die Netzwerke interobjektiver Prozesse und die dynamischen

Muster von Existenz und Entwicklung. Auf die menschlichen Aspekte des Quadranten

unten rechts angewandt, ist das Ergebnis eine Wissenschaft sozialer Systeme

(z.B. Parsons, Merton), die die Wichtigkeit und den Einfluß der materiellen Modi

sozialer Interaktion, Produktionskräfte und Beziehungen der Produktion

unterstreicht (Beispiele sind unter anderen Comte, Marx, Lenski, Luhmann).

Wenn Schau-Logik den Quadranten oben rechts anschaut, ist das Resultat eine

systematische Betrachtung des individuellen Organismus, die Bewußtsein als ein

Auftauchen von hierarchisch integrierten organischen und neuronalen Netzwerken

beschreibt. Diese auftauchend/konnektionistische Sicht ist vielleicht das

dominierende Modell kognitiver Wissenschaft an diesem Punkt, und es wird in

Alwyn Scotts Stairway to the Mind schön zusammengefaßt. Zu allen diesen

auftauchenden Dingen und Netzwerken – einschließlich all der sehr einflußreichen

Modelle von Autopoiesie – gehören objektive Systeme, die in Es-Sprache der

dritten Person beschrieben werden. Eine ähnlich subjektivistische Sicht des

Bewußtseins kann man in Tarts Systemansatz zu Bewußtseinszuständen finden. Ich

sage nicht, daß diese Beschreibungen falsch sind; ich sage vielmehr, daß sie

bestenfalls nur ein Viertel der Geschichte abdecken. Ich selbst benutze diese

Ansätze, wie auch den Strukturalismus, die alle rechts-seitige Ansätze zum

Phänomen des Bewußtseins sind, aber ich betone, daß Bewußtsein selbst auch in

phänomenalen Ansätzen der linken Seite, in der Sprache der ersten Person,

untersucht werden muß – direkte auf Erfahrung beruhende Untersuchungen des

Bewußtseins mittels Introspektion und Meditation (siehe Kap. 14). Aus Gründen

der Verständlichkeit bezeichne ich manchmal einige der Ebenen in den Quadranten

der linken Seite mit strukturellen Begriffen (z.B. Konop, Formop), aber das sind

nur Etiketten für phänomenale Ereignisse, die nur in Begriffen der ersten und

zweiten Person genau gesehen und beschrieben werden. Siehe Sex, Ecology,

Spirituality, 2. Aufl., (CW 6) (besonders Kap. 4 und 14) und An Integral Theory

of Consciousness, in: Journal of Consciousness Studies 4, 1 (1997), S. 71 – 93

(CW 7).

Wenn Schau-Logik den Quadranten unten links betrachtet, dann ist das Resultat

eine Wertschätzung der enormen Rolle kultureller Kontexte und Hintergründe, ein

Erfassen der Rolle wechselseitigen Verstehens, ein intensiver Fokus auf Diskurs

und ein allgemeines Verständnis von Hermeneutik. Beispiele für diesen Ansatz

sind unter anderen Heidegger, Hans-Georg Gadamer, Charles Taylor, Wilhelm

Dilthey und Kuhn.

Übrigens, wenn diese kulturellen oder intersubjektiven Signifikate

(’signifieds‘) in ihren intersubjektiven semantischen Felder (Unten Links) unter

dem Aspekt der äußeren Struktur ihrer (auf es verweisenden, d. Übersetzer)

materiellen Signifikanten (signifiers) betrachtet werden – geschriebenes Wort,

gesprochenes Wort, Grammatik und Syntax (unten rechts) -, und besonders wenn

diese Signifikanten von dem, worauf sie sich beziehen, abgetrennt sind, dann ist

das Ergebnis postmoderner Poststrukturalismus in verschiedenen Formen.

Von Foucaults Archäologie (die Grammatik von Diskurs/Archiven) zu Foucaults

Genealogie (die interobjektiven Strukturen von Macht/Wissen) zu Derridas

Grammatologie (das Studium der Ketten geschriebener Zeichen) – die alle Ansätze

des unteren rechten Quadranten zu Phänomenen des unteren linken Quadranten sind,

Ansätze, die, wenn ausschließlich angewendet, alle wirklich intersubjektiven

Bereiche zerstören und, durch performativen Widerspruch, alles Existierende,

worauf sie sich beziehen, leugnen. Und wieder, ich sage nicht, daß diese Ansätze

falsch sind, aber daß sie nur einen Quadranten begünstigen (in diesem Fall

benutzen sie Techniken von unten rechts in einem Versuch, Phänomene unten links

zu erhellen, und in dem Maße, in dem diese Ansätze zu weit gehen und die

Existenz von unten links in seinen eigenen Begriffen leugnen, enden sie dabei,

einem subtilen Reduktionismus zu verfallen), und wenn sie so behaupten, das

letzte Wort zu haben, versteigen sie sich zu verschiedenen unhaltbaren

Positionen. (Eine Diskussion einer integralen Semiotik von Signifikant,

Signifikat, Semantik und Syntax in Das Wahre, Schöne, Gute, Kap. 5, Anm. 12.)

Wenn Schau-logik auf den oberen linken Quadranten angewandt wird – wenn

Schau-Logik nach innen auf ihren eigenen Bereich schaut – können mehrere Dinge

passieren. Erstens bedeutet wie bei jeder Grundstruktur die Tatsache, daß ein

Mensch Zugang zu Schau-logik hat, nicht, daß dieser Mensch von Schau-Logik aus

lebt. Genauso wie ein Mensch kognitiven Zugang zu Formop haben kann, und das

Selbst auf der moralischen Stufe 1 verbleibt, so kann ein Mensch Zugang zu

Schau-Logik haben und doch auf einer der niedrigeren Ebenen des Selbst und der

Entwicklung der Selbst-Linie sein – moralische Stufe 1, ein impulsives Selbst,

Sicherheitsbedürfnisse und so weiter (wie wir gesehen haben sind Grundstrukturen

für andere Entwicklung nötig, aber nicht hinreichend). Deshalb kann ein Mensch

auf einer sehr niedrigen Ebene der Entwicklung von Selbst, Moral und

Spiritualität sein, und doch zugleich ein bedeutender Systemtheoretiker (der

Schau-Logik auf die äußere Welt anwendet, aber nicht auf sich selbst). Das ist

der Grund, aus dem ein Mensch nicht notwendigerweise transformiert wird, wenn er

einfach ein „neues Paradigma“ lernt, und warum viele „holistische“ Ansätze oft

innere Transformationen unberührt lassen. (Siehe One Taste und Boomeritis.)

Nur wenn sich das Selbst eines Menschen – der Schwerpunkt des proximalen Selbst

– von Konop (wo es ein konformistisches Selbst oder eine Persona ist) zu Formop

(wo es ein postkonventionelles Selbst oder reifes Ich ist) zu postformaler

Schau-Logik (wo es ein Zentaur oder ein relativ integriertes,

postkonventionelles, globales, autonomes und existentielles Selbst ist) bewegt –

nur mit dieser inneren vertikalen Transformation kommt es dazu, daß Schau-Logik

direkt auf den Menschen selbst angewandt wird. Sein moralisches Gefühl ist dann

postkonventionell und weltzentrisch; seine Bedürfnisse richten sich auf

Selbst-Verwirklichung; seine Weltsicht ist universell integral; und er steht am

Rande einer dauerhafteren Transformation in die transpersonalen Bereiche.

Entsprechend kann Schau-Logik (wie die meisten Formen von Erkennen) auf alle

Hauptebenen (oder Bereiche) in allen Quadranten angewandt werden. Wie im Text

angedeutet vereinfache ich gewöhnlich diese Bereiche zu Körper, Geist und GEIST

(oder präpersonal, personal und transpersonal). In ihrem eigenen Quadranten kann

Schau-Logik hinab zu Materie, hinüber zu Geist oder hinauf zu GEIST schauen.

Hinabschauen auf Materie ist dasselbe wie das Schauen auf einen der Quadranten

der rechten Seite, da sie beide materiell sind, und das Ergebnis ist, wie wir

gesehen haben, Systemtheorie. Hinüberschauen zu anderem Geist ist dasselbe wie

das Schauen auf ihre eigene Ebene im unteren linken Quadranten, und das Ergebnis

ist, wie wir gesehen haben, Hermeneutik. Hinaufschauen zum GEIST – oder eine

spirituelle Gipfelerfahrung – führt dazu, daß die höheren Bereiche gemäß den

Strukturen der Schau-Logik selbst interpretiert werden, und das Ergebnis ist

das, was ich mandalische Vernunft genannt habe (siehe Die drei Augen der

Erkenntnis).

Comments are closed.

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close