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Was sind die Spiral Dynamics?


Die Spiral Dynamics sind ein Modell zur Bewusstseinsentwicklung des Menschen. Wenn man zum ersten mal von den Spiral Dynamics hört, dann hält man die Beschreibungen der individuellen Entwicklungswellen womöglich für etwas abstrakt oder für das eigene Leben unrelevant, doch mit der längeren Beschäftigung und im Dialog mit anderen entfalten sie völlig neue Horizonte und sind sehr bereichernd. Wir sollten uns vor Augen halten, dass wir unser Umfeld stets beurteilen, ob wir wollen oder nicht . Diese Urteile sind „psychoaktiv“, sie gewinnen mit der Zeit an gefühlter Realität.

Definition Spiral Dynamics

Die Spiral Dynamics sind ein Modell zur Bewusstsentwicklung, welches sowohl die Entwicklung des Einzelnen, als auch der Menschheit beschreibt. Es wurde erstmals  von Clare Graves entworfen und später von Beck und Cowan sowie von Ken Wilber weiterentwickelt. Es skizziert verschiedene Wellen der Bewusstseinsentwicklung, welche auch als v/Meme (value Meme = Wert Meme) bezeichnet werden. Eine Bewusstseinswelle ist eine Anpassung und Lösung für die jeweiligen existenziellen Probleme des Menschen. Daraus resultiert eine bestimmte Weltsicht. So wird verständlich, welche Aufgabe und Bedeutung beispielsweise die Impulsivität für den Menschen spielt – wofür sie eine Lösung bietet und worin die jeweilige Problematik besteht.

 

Das Prinzip der Spiral Dynamics ist evolutionär, d.h. nach oben offen. Das Telos (Ziel) der Spiral Dynamics ist die Bewusstwerdung und Ganzwerdung des Menschen. Somit auch ein klarer Fingerzeig hin zum Motto der Webseite „OneMind“, weil es die Verbundenheit des Menschen mit allem was ihn umgibt ins Auge fasst. Die Spiral Theorie gefällt mir sehr gut, weil sie ein integratives Modell ist, d.h. eines welches sich  in unserer aktuellen weltpolitischen Herausforderung der Integration unterschiedlicher Kulturen und Wertevorstellungen als sehr hilfreich erweisen kann. Wir dürfen nicht übersehen, dass dieses Modell eine grobe Vereinfachung ist. In Wirklichkeit durchläuft jedes Individuum zahlreiche Einzelströme, bei denen eine Entwicklungslinie bereits sehr weit fortgeschritten, eine andere hingegen noch rudimentär sein kann.

 

Was ist ein v/Mem?

Das Wort v/Mem bedeutet value mem – zu deutsch: Wertemem (Mem= Bewusstseinsinhalt). Jedes v/Mem ist eine Brille durch die wir die Welt wahrnehmen und erfahren. Das was uns zu Bewusstsein kommt ist zugleich jenes, mit dessen existenzieller Problematik wir konfrontiert sind. Angefangen von dem reinen Überleben (Beige) hin zur Anpassung und Identität in der Gruppe (Purpur) über die Abgrenzung des Selbst und Ausprägung des Egos (Rot) durchläuft der Mensch verschiedene aufeinander aufbauende Bewusstseinsqualitäten. Schauen wir uns zum besseren Verständnis das 16te Jahrhundert an, in welchem sich die Kirchen als Inquisition etabliert hatten und ihre Lehre als Gebot galt. Diese Ordnung war zunächst befreiend und stabilisierend, da sie den willkürlichen Egoismus (Rot) zügelte durch die Besinnung auf eine höhere (göttliche) Ordnung. In Spiral Dynamics entspräche diese Qualität dem blauen Meme. Als diese stabile Ordnung etabliert war und die wesentlichen Qualitäten des blauen Mems erreicht waren begann sich langsam die nächste Welle auszubreiten. Die blaue Ordnung war zum Teil auf kosten irrationaler dogmatischer Annahmen begründet, die dem forschenden Verstand mehr und mehr unsinnig erschienen. Interessierte Wissenschaftler wie zum Beispiel Da Vinci begannen heimlich anatomische Studien durchzuführen gegen das Gebot der Unversehrtheit.  Auch Galileo trat für die Wissenschaft ein und bemühte sich das kopernikanische Weltbild zu verbreiten gegen die etablierte Ansicht die Erde sei eine Scheibe. Die rationalen Bemühungen stießen auf großen Widerstand. Erst 1992 gestand die Kirche beispielsweise Galileo Galilei zu, dass er recht hatte. Man ahnt, welche Befreiung und existenzielle Notwendigkeit die Wissenschaft und Rationalität damals waren- das blaue System hatte sich festgefahren. Man entwickelte sich von einer Wir-Orientierten Wahrnehmung mit Grundwerten wie Sicherheit und Ordnung (blaues v/mem) hin zu einer Ich-Orientierten Warhnehmung mit Grundwerten wie Rationalität und Freiheit (oranges v/mem).  Gesellschaftlich betrachtet beschreibt der Übergang von blau zu orange den Wertewandel rund um die Aufklärung hin zu einer säkulären Weltsicht. Dabei wird diese Entwicklung sowohl durch innere Impulse gelenkt, als auch durch das äußere Umfeld bedingt. Gäbe es die „blaue“ Ordnung nicht, hätten wir auch andere existenzielle Probleme zu bewältigen, die noch grundsätzlicherer Natur wären. Die Entwicklung der Spiral Dynamics ist holistisch, das heisst es betrachtet die verschiedenen Entwicklungslinien als Teil eines Ganzen. Die jeweils nachfolgende Entwicklungslinie umfasst die vorherliegende. Wir können beispielsweise auf der rational-Ich-zentrierten Stufe (orange) die Regeln und Gesetze der dogmatisch-Wir-zentrierten Stufe (blau) verstehen und wenn nötig auch anwenden, wenngleich wir sie aufgrund des großen Widerstands noch nicht gutheißen. Das blaue v-Mem hingegen kann die orange Stufe nicht verstehen (geschweigen denn tolerieren), weil es noch nicht im Bereich der eigenen Erfahrung liegt und die von ihm angestrebte Ordnung gefährdet. Mehr zu den einzelnen Stufen erfährt man im weiteren Verlauf der Seite.

Ist das Spiral Dynamics Modell eine Typologie?

Das Spiral Dynamics Modell ist ein vertikales Entwicklungsmodell, d.h. es beschreibt Entwicklungsstadien, welche jeder Mensch durchschreitet. Es ist somit abzugrenzen von horizontalen Typologien (wie z.B. Myers-Briggs, Enneagramm, Jungsche Typen usw.), welche verschiedene Persönlichkeitstypen abbilden, die grundsätzlich auf nahezu allen Ebenen zu finden sind. Das Spiral Dynamics Modell beschreibt kognitive und emotionale Entwicklungen des Menschen und hat den Anspruch für alle Menschen gültig zu sein, während Typologien diesem Kriterium nicht gerecht werden. Es gibt immer Menschen, welche sich in keinen Typus einordnen lassen. Ich persönlich bin sogar der Auffassung, dass sich die Charakteristika von Persönlichkeiten mit fortschreitender Entwicklung aufweichen und letztlich sogar in einem gewissen Sinne auflösen. Spiral Dynamics ist insofern eine „Beurteilung“, als dass sie die Menschen natürlich versucht in ihren Entwicklungszyklen zu erfassen und einzuordnen, es weist aber einen wesentlichen Unterschied zu einer Typologie auf – es verweist stets auf das Gemeinsame. Es hat den Anspruch für alle Menschen gleichermaßen zu gelten.

Es kann nicht oft genug betont werden, dass die Spiral Dynamics nur als Skizze zu verstehen sind und kein Mensch eindeutig in ein Schema passt. Beck sagt dazu

„Die Spirale ist unordentlich, nicht symmetrisch, mit vielfachen Beimischungen statt reiner Typen. Es handelt sich hier um Mosaiken, Gewebe und Mischungen“ Don Beck


Die Wellen im Spiral Dynamics Modell

Insgesamt gibt es bisher acht v/Meme, die wir beschreiben können. Die neunte Welle deutet sich erst an:

spiral dynamics

In der oberen Grafik sieht man die Entwicklung der Stufen und ihre holistische Struktur (einander umfassend). Auf der rechten Seite sieht man eine zeitliche Einordnung mitsamt der exponenziell steigenden Entwicklungsgeschwindigkeit. (die Grafik darf nach Absprache gern verwendet werden)

 

Die ersten sechs Wellen werden als Subsistenzebenen bezeichnet (oder auch Tier 1). Hier geht es vorrangig um das eigene Überleben und die Entfaltung der eigenen Bedürfnisse. Es wird eine Sichtweise vertreten, die sich von Andersdenkenden als bedroht erlebt. Ab der siebten Welle (Gelb) kommt es zu einer revolutionären Verschiebung im Bewusstsein: Zum ersten Mal stoßen wir in die „Seinsebenen“ vor und beginnen Schaulogisch zu denken (auch Tier 2 genannt). Das heisst, wir können anhand unserer eigenen Entwicklung die vorhergehenden Entwicklungsstufen als sinnhaft und zielführend einordnen, ohne sie zu bekämpfen. Nachfolgend eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Wellen:

 

Die Pioniere des Spiral Dynamics Modells

Die historische Entwicklung der Spiral Dynamics

claregraves

Der erste Impuls zur Entwicklung eines umfassenden evolutionären Bewusstseinsmodells begann mit dem US-amerikanischen Psychologie-Professor Clare Graves, welcher in seinen ersten Lehrjahren als Professor an der Universität bemerkte, dass er Fragen der Erstsemsterstudenten nicht zufriedenstellend beantworten konnte, da die verschiedenen gelehrten Modelle einander oftmals widersprachen und nicht wirklich in einen größeren Zusammenhang gestellt wurden. Davon angestachelt arbeitete er an einer Theorie zur Conditio Humana (Natur des Menschen). In den Jahren 1952 bis 1959 sammelte er mithilfe zahlreicher Studenten aus aller Welt Daten, welche ihn zu seiner Theorie „The Emergent Cyclical Levels of Existence Theory“ (die zyklisch auftauchenden Level der Existenz Theorie) führten. Er formulierte darin einen Gedanken, dass der Mensch sich in wechselwirkung mit immer komplexeren Systemen neuro-bio-psychisch auf seine Umwelt einstellt in Form von spontanen selbstorganisierenden dynamischen neuronalen Systemen, welche im menschlichen Gehirn entstehen. Die Evolution ist demnach ein komplett offener Prozess, was Zielzustände wie das „Nirvana“ zunächst einmal außen vor lässt. Die Kontinuität der Entwicklung ist jedoch kein immanenter Bestandteil der Theorie, so bietet diese auch Platz für Regression.

Aufbauend auf dieser Pionierarbeitet haben die Autoren Don Beck und Chris Cowan sich zusammengetan und die Theorie zu den Spiral Dynamics ausgebaut, ursprünglich für Führungskräfte als Zielgruppe. 1996 erschien ihr erstes Buch und stieß schnell auf Interesse auch außerhalb der Management-Riege. Sie führten den Begriff der Wert-Meme ein (v-Meme), führten die hier verwendeten Farben ein und gaben ihnen die grundlegenden Bedeutungen, wie sie auch hier wiedergegeben werden.

Don Beck, Christopher Cowan, Ken Wilber

Don Beck, Christopher Cowan, Ken Wilber

Ein begeisterter Leser der Spiral Dynamics war auch der Bewusstseinsforscher Ken Wilber, der an einer integralen Theorie arbeitete die ebenfalls Raum lässt für unterschiedlichste Ansätze und den Spiral Dynamics viel abgewinnen konnte. Er hat diese in Übereinstimmung mit Don Beck erweitert, beispielsweise um die Mean- Memes. Diese zeigen sich in überzogenen Haltungen der verschiedenen Memes, welche sich in destruktiver Weise äußern (pathologisch). So gibt es neben der gesunden orangen Einstellung (Gewinndenken, Rationalität) auch das Mean-Orange-Meme, welches sich in gewissenlosem Raubtierkapitalismus äußert. Die Idee der Mean-Memes wird von Co-Autor Chris Cowan jedoch dementiert, da beispielsweise ein Mean-Green-Meme in seinen Augen sehr fraglich ist und eine pathologische Haltung unabhängig von den Memes zu diskutieren sei.

Spiral Dynamics bei Clare Graves

Die Psychologie des reifen Menschen ist ein sich entfaltender, auftauchender, schwingender, spiralförmiger Prozess, welcher gekennzeichnet ist von fortschreitender Unterordnung älterer, niedriggradigen Verhaltenssystemen hin zu neueren, hochgradigen Verhaltenssystemen, welche sich mit den existenziellen Problemen verändern (Dr. Clare Graves)

Das Spiral Dynamics Modell wurde von Dr. Clare Graves zwar noch nicht so benannt, aber es enthielt bereits die wesentlichen Züge, auf denen die Weiterentwicklungen von Don Beck und Cowan aufbauten. In einem 1974 erschienenen Artikel im Future Magazine mit dem Title „Human Nature Prepares for a Momentous Leap.“ (zu deutsch: die menschliche Natur bereitet sich auf einen monumentalen Sprung vor) werden bereits die acht Stufen mit ihren Lernsystemen, Denksystemen, Motivationssystemen, Anfangs- und Endwertesystemen, der generellen Natur der jeweiligen Existenz und deren Problematik aufgelistet. Die Tabelle ist hier abgebildet (aus dem englischen Übersetzt aus Quelle) :

Stufen der Existenz nach Dr. Clare W. Graves
aus „Human Nature Prepares for a Momentous Leap,“ The Futurist, April 1974
Stufe Lernsystem Denken Motivationssystem spezifische Motivation Tragwerte Zielwerte Natur der Existenz Problematik der Existenz
 A-N Habituation Automatisch Physiologisch periodische physiologische Bedürfnisse Kein bewusstes Wertesystem (Überleben) Kein bewusstes Wertesystem (Überleben)  Automatisch Erreichen von physiologischer Stabilität
 B-O klassische Konditionierung  Autistisch Zuspruch, Versicherung aperiodische physiologische Bedürfnisse Traditionalismus Sicherheit Tribalistisch Erreichen von relativer Sicherheit
 C-P operante Konditionierung  Egozentrisch Überleben psychologisches Überleben Ausbeutung Macht Egozentrisch Leben mit Selbstbewusstsein
 D-Q vermeidendes Lernen Absolutistisch Sicherheit Ordnung, Sinn Aufopferung Erlösung Heilig Erreichen von ewig währendem Frieden des Geistes
 E-R Erwartung Rational Unabhängigkeit Zweckdienlichkeit, Handlungskompetenz Scientismus Materialismus Materialistisch Eroberung des physikalischen Universums
 F-S Beobachtung Relativistisch Beziehung Liebe, Beziehung Soziozentrizität Gemeinschaft Persönlich Leben mit dem Wesen des Menschen
 G-T Allen Lernsystemen gegenüber offen Systemisch Existenziell Selbstwert Akzeptanz Existenz Kognitiv Wiederherstellen der Viabilität in einer chaotischen Welt
 H-U Allen Lernsystemen gegenüber offen  Differenziert Erfahrung ?????? Erfahren Kommunion Experimental Akzeptanz der existenziellien Gegensätze

Es sind also schon die wesentlichen Elemente der Spiral Dynamics Theorie enthalten. Auch die Tier Unterteilungen, wenngleich so noch nicht benannt, sind zu finden anhand der Lernsysteme (G-T und H-U sind hier Tier 2). Man kann also mit  Fug und Recht behaupten, dass Clare Graves der Pionier der Spiral Dynamics Theorie ist.

Spiral Dynamics bei Don Beck (und Cowan)

Wir sehen in der nachfolgenden Tabelle das Modell der Spiral Dynamics nach Don Beck.

DIE SPIRALE DER ENTWICKLUNG NACH DON BECK
Stufe/
Welle
 Farbcode
verdichtete Bezeichnung
Denkweise
Kulturelle Auswirkungen und persönliche Sichtweisen
8
Türkis
Gesamtschau
Holistisch
kollektiver Individualismus, kosmische Spiritualität, Wandel im Großen
7
Gelb
flexibler Flow
Ökologisch
natürliche Systeme, Selbstverwirklichung, multiple Realitäten, Wissen
6
Grün
menschliche Nähe
Konsensorientiert
Gleichheit, Gefühle, Authentizität, Teilhabe,  Verständnis, Gemeinschaft
5
Orange
ehrgeiziges Streben
Strategisch
Materialistisch, Konsumorientiert, Erfolg, Image, Status, Wachstum
4
Blau
eindeutige Wahrheit
Autoritär
Sinn, Disziplin, Tradition, Moral, Regeln, Leben für das Jenseits
3
Rot
Machtgötter
Egozentrisch
Befriedigung, Ruhm, Eroberung, Aktion, Impulsiv, Leben im Hier und Jetzt
2
Purpur
Stammesgeister
Animistisch
Riten, Rituale, Tabus, Aberglaube, Stämme, Schicksal
1
Beige
Überlebenssinn
Instinktiv
Essen, Trinken, Fortpflanzung, Wärme, Sicherheit, Überleben

Wie wir sehen hat Don Beck dem Fundament der Theorie nichts wesentlich Neues hinzugefügt. Er hat auf diese Theorie allerdings weit ausgebaut und griffiger gemacht. Vor allem auf politische und wirtschaftliche Zusammenhänge ist er näher eingegangen (seine Zielgruppe waren in erster Linie Manager).

So finden wir interessante Übertragungen und Abhandlungen über Politik oder auch Produktivität.

verschiedene Weltsichten der vMeme im Hinblick auf kriegerische Motive
Farbe politische Form Tiefe Motivation um aggressives Verhalten zu rechtfertigen
Beige Überlebensgemeinschaften  sich einen Platz in einer Überlebensnische sichern
Purpur ethnische Stämme die Mythen und Traditionen der Ahnen, die Rechte des Stammes und heilige Orte bewahren
Rot Feudalreiche dominieren, die Beute erobern, das Recht auf Raub und Plünderei erwerben
Blau klassische Nationen
die Grenzen, das Heimatland, das Herz, den traditionellen Weg des Lebens und das heilige Ziel bewahren
Orange korporative Staaten ökonomische Vorteile und Einfluss gewinnen, Rohstoffe und Märkte erschließen
Grün   Wertegemeinschaften eine Bestrafung jener, welche Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen und die Opfer schützen

Nach Don Beck sind die Stufen mit Ausnahme der ersten (Beige) überall auch im politischen auf der Welt zu finden. Dabei schätzt er die Machtverhältnisse wie folgt ein:

  • Beige – 0,1% der Bevölkerung , 0% Macht
  • Purpur – 10% der Bevölkerung, 1% Macht
  • Rot – 20% der Bevölkerung, 5% Macht
  • Blau – 40% der Bevölkerung, 30% Macht
  • Orange – 30% der Bevölkerung, 50% Macht
  • Grün – 10% der Bevölkerung, 15% Macht
  • Gelb & Türkis – 1% der Bevölkerung, 5% Macht

In der folgenden Grafik von Don Beck kann man eine hypothetische Verteilung Macht und Bewusstseinsevolution in der Welt sehen. Es ist dabei eine Differenzierung nach der Entwicklungsstufe vorgenommen worden, so sieht man, dass in der dritten Welt hauptsächlich blaue Strukturen das Geschehen bestimmen, während in der ersten Welt orange und grüne Strukturen dominant sind. 3923455845_2b2671c5dd_o„Stratified Democracy“ by Don Beck, republished by Kent Byte here under CC2.0

Abhandlung von Don Beck über die Produktivität der Spiral Dynamics:


 

Historische Annäherungen zur Produktivität nach Don Beck

Wenn jemand sich daran machen würde mithilfe der komplexen Data-Mining Technologie und einer Schar von Web-Crawlern jede Bedeutung des Wortes „Produktivität“ in den letzten fünfzig Jahren zu ermitteln, dann würde  ein klares Muster von Gruppierungen aufgezeigt. Produktivität selbst ging durch einen sehr eigenen evolutionären Prozess als es die Micro, Meso und Macro Stufen durchlief. Man kann sehen wie sich die verschiedenen Initiativen entlang der v-Meme Zeitschienen bewegen nach denen wir suchen, um in jedem Wertesystem etwas zu konstruieren was wir zu der Zeit als den Hauptvorsprung in der Arbeitsleistung, Effizienz und Qualität der jeweiligen Arbeits-Stile sahen.

Blaue V-Mem Produktivität : Die Dinge auf die rechte Art tun

Eine der ersten Versuche die Produktivität zu verbessern fokussierte sich speziell auf das logische Denken, statistischen Berechnungen, richtigen Schlussfolgerungen und steigern der Systeme wie sie zu der Zeit existierten. Diese Anstrengungen blieben innerhalb der Job Funktionen, organisatorischen Gruppen und dienten der Arbeitsplanung innerhalb der Vorgaben von Autorität und Verantwortung. Die blaue V-Mem Produktivität initiierte Erneuerungen wie Qualitätsmanagement, Stiftung Warentest und andere Bemühungen in dieser Richtung. Dieser Schwerpunkt führte zu kreativen Beiträgen von Larry Miles bei General Electric was als „Value Engineering“ bekannt wurde. Value Engineerer wurden gebeten große Kapitalverträge durchzusehen, welche bereits abgeschlossen wurden um nach Wegen zu suchen Kosten zu kürzen, Duplikation zu vermeiden und Entwürfe zu verfeinern, welche bereits ausgereift waren. Es ist ironisch, dass Larry Miles‘ erster Psychologe bei dem er um Rat fragte Clare W.Graves war, welcher auf der Union College Fakultät arbeitete, nur ein paar Meilen entfernt vom General Electric Firmensitz.

Orange v-Mem Produktivität: Strategie und Gewinn-Orientierung

Als die Blaue v-Mem Produktivität langsam ausreifte erschien es vielen auf dem Feld so, als wenn etwas fehlte. All die intelligenten und hochmotivierten Anstrenungen um substanzielle Verbesserungen in der Qualität und im Arbeitsablauf zu erzielen wurden blockiert durch die Natur der Organisation selbst. Die Qualitätszirkel konnten nicht über funktionelle, strukturelle oder auch geographische Linien wirken. Jene, welche sich engagierten wurden oft mit einem Schulterklopfen belohnt, aber nicht mehr. Die Verbesserungen, welche sie gestalteten und einführten freuten die oberen Etagen, aber wenig sie selbst. Sie wurden gefragt oder gar kommandiert härter und besser zu arbeiten, aber mussten entdecken, dass sie nicht von ihren Früchten profitierten.

Orange v-Mem Produktivität verschob sich in Richtung Strategie mit massiven Umwälzungsmaßnahmen, der Einführung von Microchip Technologie, welche die direkte Kommunikation über alle Barrieren hinweg ermöglichte und die Gewinnmaximierung des gesamten Unternehmens unterstrich. Regierungsinstanzen veränderten sich von altersbasierter Entschädigung zu verdienten Belohnungen und wandelte die verschiedenen Professionen vorrangig in wettbewerbsorientierte Posen. Die Idee war, dass diese Innovationen die Kosten drücken konnten, Feinabstimmungen ermöglichten und dass jede Ausgabe und jeder Beitrag sich auf die ein oder andere Art unter dem Strich auszahlten. „Value Engineerung“ wurde zu „Value Management“.

Grüne v-Mem Produktivität: Einfühlsamkeit gegenüber den Menschen

Michael Hammer und seine Kollegen, welche gut bekannt waren wegen ihrer Orange-v-Mem-Umwälzung, mussten einige große Zugeständnisse machen, nachdem sie traditionelle Systeme brutal herunterschraubten. Sie ignorierten komplett die Wichtigkeit von Menschen und ihren Aktivitäten. Welch Überraschung. Infizierte des orangen v-Mems sehen nichts außer Profit und Privilegien. Es wurde offensichtlich für viele Menschen, dass Menschen kritisch gegenüber jeder lang anhaltenden und effektiven Bemühung waren, welche sich selbst über die Zeit erhielt. Ein Großteil des historischen Wissens ging verloren in den Unternehmen wegen der Zumutung der Leistungsgesellschaft und der Annahme, dass technlogische, geschäftliche und strategische Systeme von sich aus Resultate erzielen die jeder mitbestimmt. Das war nicht der Fall.

Zu diesem Zeitpunkt wurde ein großer Teil des produktiven Denkens auf Menschen ausgerichtet – ihre Kompetenzen, Gefühle, Erfahrungen, humanistische Arbeit und Nebenbedürfnisse und selbst persönliche Präferenzen mit Blick auf Betreuung für Kinder und ähnliche Annehmlichkeiten. Ohne Frage wurde das Unternehmen ein glücklicherer und gesünderer Ort als Diversitätsprogramme den Wert von menschlichen Unterschieden betonten und gesellschaftsbasierte Projekte die Gelegenheit für jedermann boten an sozial verantwortlichen Schemen teilzunehmen.

Wir kennen auch die Emergenz von selbstorganisierten Arbeitsteams, vollkommen fähig virtuell für sich selbst zu funktionieren. Vertrauensbildungsprogramme wurden eingeführt. Außerbetriebliche Meetings wurden angezielt. Kostenintensive Entwicklungsseminare wurden eingeführt. Die Barrieren der Organisationsstruktur wurden heruntergefahren, in der äußeren Darstellung wie auch im persönlichen Umgang. Jeder sprach sich mit dem Vornamen an.

Produktivität im integralen Zeitalter

Das romantisch herbeigeredete Wassermannzeitalter (Anm.d.Red. – dieser Begriff wurde von DonBeck so verwendet) endete mit dem Crash des World Trade Centers am 11.September 2001. Das Zeitalter der Fragmentierung war auf dem Höchstwasserstand mit seinem Zenit nach dem kalten Krieg. Viele identische Themen tauchen in Geschäftshäusern, in Fabrikhallen, Handelszentren und Geschäftsschulen – von Harvard, Stanford und der London Business Schule bishin zu kleineren Bildungsprogrammen rund um den Globus auf. Sie sind Zeugen des integralen Zeitalters. Die Intention wird hier sein die Auswirkungen der neuen Epoche zu diskutieren in Bezug auf die generellen Bereiche der Produktivität, mit Fokus auf Umgestaltung anstelle von feintuning, Transformation anstelle von Reformation und auf offenen, flow-basierten dynamischen Systemen anstelle von abeschlossenen, eingepferchten Endmodellen und Methoden.


 

Ergänzend noch die Darstellung der Spirale von Don Beck:

Spirale_der_Entwicklung

„Spirale der Entwicklung“ von Wikimedia Commons unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Spiral Dynamics bei Ken Wilber (Integrales Modell)

Ken Wilber nahm die Spiral Dynamics begeistert auf. Sein Wirken ist hauptsächlich eine Einordnung von bestehenden fragmentierten Theorien in einen Gesamtzusammenhang (das sogenannte integrale Modell). So hat auch er die Spiral Dynamics bereichert indem er ihre Stufen mit Querverweisen zu anderen Theorien, Entwicklungsstufen und kognitiven Stadien in Verbindung brachte (zu finden in den detaillierten Beschreibungen der einzelnen Stufen). Er bemängelte außerdem das Fehlen von religiösen Zielzuständen wie beispielsweise dem Nirvana und machte auf das komplette Fehlen von einzelnen situativ bedingten Zuständen aufmerksam. Als direkte Ergänzung erarbeitete er die Theorie der „Mean Memes“ (bösartig übertriebenen Wertehaltungen), welche auf jeder Stufe zu finden sind und zu pathologischen Haltungen führen. Zum Beispiel der Raubtierkapitalismus ohne ethische und ökologische Bedenken als Wucherung des orangen Memes. Christopher Cowan stimmte ihm in diesem Punkt jedoch nicht überein, denn er betrachtet die Pathologien unabhängig von den Bewusstseinsstufen. Inbesondere ist ihm nicht einleuchtend, wie sich ein „Mean Green Meme“ auswirken soll. Zu den mean green Memes hat Wilber schließlich viel geschrieben in jüngster Zeit. Wilber hat die Farbcodes nochmals verändert, so sieht eine Darstellung nach Wilber so aus:

Farbcode Kognitive Linie

(Piaget Aurobindo)

Graves Wertesystem / Spiral Dynamics Kegan Loevinger

Cook-Greuter

Gebser Fowler
Ifrarot Sensomotorisch Überleben (Beige) 0 Symbiotisch Archaisch Undifferenziert
(Magenta) Präoperational

(Symbolisch)

Magisch-Animistisch (Purpur) 1ster Grad Impulsiv Magisch
Rot Präoperational

(konzeptionell)

Egozentrisch (Rot) 2ter Grad Selbst-Beschützend Magisch Mythisch-wortgetreu
Ocker Konkret Operational Absolutistisch (Blau) 3ter Grad Konformistisch Mythisch Konventionell
Orange Formal Operational Strategisch (Orange) 4ter Grad Gewissenhaft Rational Individual-Reflexiv
Grün Frühe Schaulogik Reltivistisch (Grün) (4.5ter Grad) Individualistisch Pluralistisch Verbindend
Blaugrün Mittlere Schaulogik Flexibler Fluss (Gelb) Autonom Integral Universelles Gemeinwohl
Türkis Späte Schaulogik Globale Sicht (Türkis) 5ter Grad Integriert Integral Universelles Gemeinwohl
Indigo Globales Bewusstsein (vorher psychisch) Konstrukt-Bewusst
Violet Meta Bewusstsein (vorher Subtil) Ego-Bewusst
Ultraviolet Überbewusst

(vorher Kausal)

Klares Licht Superbewusst

Weitere Infos zum Spiral Dynamics Modell

Politische Systeme aus Sicht der Spiral Dynamics

Hinweis: Die folgende Darstellung ist eine Schlussfolgerung des Autors und soweit bekannt nicht gängige Lehrmeinung.

Je nachdem welche Gedanken, Emotionen, Werte und Ängste eine Bevölkerung bewegen, entsteht eine Sehnsucht, dies auch entsprechend von den Repräsentanten der jeweiligen Nation wiedergespiegelt zu bekommen. Erreicht das Bewusstsein der Masse eine kritische Schwelle entsteht das Verlangen ein politisches System nach diesen Werten zu gestalten.

Bewusstseinswelle Begünstigt durch Sehnsucht / Idealisierung politisches System
Purpur Existenznot Harmonie ohne Gleichheit Präpolitisch, Akzeptanz der Rollen und Ungleichheiten
Rot Unterlegenheit, sich ausgebeutet fühlen, sich von anderen dominiert fühlen der Aggressor, der die Rolle vom Opfer zum Täter kehrt, derjenige, der eine Idealisierung als Person anbietet Diktatur, Personenkult der zugleich repressiv ist, als auch die Rache- und Größenphantasien des Volkes stimuliert
Blau Irrationalität der Macht erkennen Gleichheit, Gesetz, Ordnung Staat mit eindeutigem Wertekanon, Gemeinschaft in Abgrenzung zu anderen
Orange Geglückte Sozialisation, gelernter Anstand und Demut Entfaltung, Wissenschaft, Rationalität Länderüberschreitende Kooperationen, Wirtschaftsbündnisse, Konzerne
Grün internationaler Wettbewerb, rationale Überlegungen überlagern Ethik Gemeinschaft, Menschlichkeit, Gleichheit in Abgrenzung vom Establishment und rationalem Kalkül globale Initiativen unabhängig von Rasse und Nation, keine konkrete politische Form mehr, nutzt die Form der orangenen Unternehmenstruktur
Gelb solidarische Bündnisse, investigativer Journalismus, Meinungsfreiheit, psychologische Selbsterkenntnis Autarkie, ökologische Selbstversorgung, sensibilisierte Gemeinschaft ohne Fronten nutzt die durch grün geschaffenen Räume für Selbstversorgung und eigene Lebensgestaltung, gelebtes privates Engagement in der eigenen Umgebung ersetzt gewählte Stellvertreter durch eigenes Engagement

Man kann sagen, dass das eigentlich politische vor allem in Rot und Blau zu finden ist, während Orange und Grün bereits in anderen Strukturen agieren. In Gelb hat sich das Bewusstsein in der Form gewandelt, dass die Eigenverantwortung einen höheren Stellenwert hat, als die Wahl. Der Akt der Wahl als solcher wird als geistige Legitimation verstanden. Jemand, der wahrhaft auf der gelben Stufe verankert ist, nutzt dieses Wissen jedoch nicht als Ausrede zur Passivität, sondern bündelt seine Energien für das eigene Leben, das eigene Engagement am nächsten. So kommen wir zu folgender vereinfachten Skizze:

Beige – Purpur: tribalistisch (Stamm)
Rot – Blau : posttribalistisch, politisch (Staat)
Orange – Grün : postpolitisch, organisatorisch (Liberalismus)
Gelb – Türkis: postorganisatorisch, autark (Ökologie)

Das Ziel der Bewusstwerdung auf politischer Ebene ist also auch die Rechte und das Selbstbewusstsein des Einzelnen zu stärken und ihn von zwanghaften Angst, Größen- und Abhängigkeitsdynamiken zu befreien.

Die Schwächen des Spiral Dynamics Modells

Das Spiral Dynamics Modell schließt keine Zustände ein, sondern versucht generelle langwierige Prozesse in der eigenen Entwicklung zu umreißen. Somit sind beispielsweise  kurzzeitige Erleuchtungserlebnisse nicht darin zu finden.

Das Spiral Dynamics Modell ist außerdem evolutionär, d.h. unendlich. Somit werden Endzustände wie beispielsweise das Nirvana auch nicht darin abgebildet.

Das Spiral Dynamics Modell kann, wie jede Einordnung von Menschen in „Schubladen“ bösartig zur Auf- oder Abwertung verwendet werden. Deshalb ist es wichtig, es als Skizze zu verstehen. In der Praxis der integralen Theorie und des Spiral Dynamics Modell hat sich gezeigt, dass es meist zu einer übermäßigen Identifikation mit dem Tier-2 Denken kommt (gelb, türkis und folgende – vor allem gelb). Somit entsteht im Schatten eine Entwertung aller Tier-1 Bewusstseinsstufen, wo vor allem tolerante Positionen oftmals als „zu grün“ beurteilt werden. Auch im integralen Institut kam es zu dieser Entwicklung, bei der sich letztlich der Einzelne gehemmt fühlte, weil er befürchtete, dass das was er sagt nicht „integral genug“ sein könnte. Diese elitäre Entwicklung ist das Gegenteil von dem Grundgedanken, der in gelb vor allem eine verständnisvolle Gelassenheit sieht, die für sich selbst steht und keine in-and-out Gruppen bildet. Der Mensch wird im Tier 2 Denken als Person betrachtet, mit einer einzigartigen Erfahrung und Qualität von Präsenz, welche sich nicht auf eine Stufe reduzieren lässt – und mit der Fähigkeit und Freude seine Neugier auszudrücken, zu fragen und sich transparent zu machen.

Das Spiral Dynamics Modell nennt sich zwar „Bewusstseinsentwicklung“, im Grunde ist das Bewusstsein selbst (der Punkt des Beobachters) aber wahrscheinlich keiner Entwicklung unterworfen (mehr dazu hier). Vielmehr gelangen wir anhand differenzierterer Urteile zu anderen inneren Abbildern der Realität.

Literatur zur Vertiefung

 

Aktuelle Beiträge zu den Spiral Dynamics:

 

 

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