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Stufe 7 Gelb

ökologisch, systemisch-integrativ

spiral dynamics zeitstrahl

Spiral Dynamics Zeitstrahl

Zeigeschichtliche Einordnung:

seit ca. 1950 n. Chr (Grafik rechts)

Individuelle Einordnung:

Mit Beginn des reifen Erwachsenenalters (Schwerpunkt 30+)

Primäre Angst:

seine Authentizität einbüßen, nicht für sich sorgen können ohne sich zu verlieren

die Angst und Aggressivität sind nicht mehr dominant-handlungsbestimmend, sondern größeren Einsichten und Zusammenhängen untergeordnet (ökologisches Denken)

Beschreibung:

Mit der gelben Bewusstseinswelle beginnt eine gewaltige Veränderung in der Art, wie wir die Realität und uns selbst erleben. Das gelbe Mem wird als Tier-2 Denken bezeichnet, während alle vorangegangenen Wellen dem Tier-1 Denken zugeordnet werden. Das Tier 1 Denken wird vor allem vom Ich-Komplex getragen, der sich immer weiter expandiert, bis er sich im grünen Mem selbst von so vielen Seiten beleuchtet und erfährt, dass die Stringenz des „Recht habens“ aufbröselt. Dieses postmoderne pluralistische Bewusstsein von grün kreist aber immer noch um ein Ich, eine innere Realität die ständige Diskussion und Verhandeln mit dem was ist bedeutet. Jede Bewusstseinswelle ist eine Realität die mit uns resoniert oder unserer Haltung widerspricht – im grünen Mem gibt es noch diese Kämpfe um das recht haben. Es geht noch um die richtige Weltsicht. Im gelben Mem jedoch rückt der Ich-Komplex in den Hintergrund. Wir beginnen allmählich mit allen Wellen zu resonieren und ihren Wert zu erkennen. Es ist die kopernikanische Wende des Selbstbewusstseins. Das Ich wird von seiner zentralen Position entmachtet und kreist nun mehr und mehr in peripheren Bahnen. Was bei den Neurowissenschaftlern Ergebnis von Experimenten und Untersuchungen ist, ist in der Bewusstseinsentwicklung Ergebnis direkter Erfahrung – da ist kein Ich im Zentrum – NICHTS ist im Zentrum, rein gar nichts – und um dieses Nichts, aus diesem Nichts und in es zurück kreist das Leben in Fülle und Einheit – und die Person und deren Ich (k)reist mit. Dieser Wandel ist der Eintritt in die Seinsdimension.

Erlaubt man dem Ich und dem Verstand (mind), natürlicherweise an der Peripherie der menschlichen Galaxis seine Bahnen zu ziehen, herrscht Ruhe und Lebendigkeit – das Leben wird als das erlebt, was es ist: frei, mal kontrahiert, mal expandiert, mal fokussiert, mal defokussiert, mal mit diesen Erfahrungen, Gefühlen und Empfindungen, Wahrnehmungen und Gedanken verbunden, mal mit jenen und all das geschieht nicht dem Ich, sondern niemandem, es geschieht dem Leben selbst – es ist keine Identifikation mit den einzelnen Ereignissen nötig, keine Identifikation mit den Ereignissen als Ganzem, der Fülle und auch nicht mit dem NICHTS, und findet doch ab und zu Identifikation statt, ist diese ein Phänomen unter vielen
– doch DU bist nichts davon, du bist  gar nicht – oder doch zumindest nur ab und zu.
Also das ist Aufwachen: das Ich gerät aus der bisherigen Fixierung, das Zentrum zu sein,und umkreist als eine der vielen möglichen Ereignisse, Funktionen und Relationen des Lebens das Leben selbst. Das ist, was unsere Sprache nicht mehr erfassen kann, denn diese ist selbst egozentrisch. (Und das werden wir noch solange aushalten müssen, bissich unsere Sprache kollektiv an die neue Situation angepasst hat).
-Mari Stephani-

Da diese Erfahrung in ihrer Eigenschaft unpersönlich ist, beginnt auch der Personenkult und das im grünen Mem begehrte Künstlertum in einem neuen Licht zu erscheinen. Man erkennt die Bedürftigkeit des Ich Komplexes hinter den Worten. Man kann die menschliche Wärme des grünen Mems zwar schätzen, fühlt aber auch, dass es zu einer erschlaffung der Erkenntnis kommt, sogar neue Fronten gegen frühere Wellen geschaffen wurden. Die kollektiven Werturteile werden als Auslöser der Gewalt gesehen und man bemüht sich um integrative Wege um auch vorhergehende Wellen zu verstehen und ihrer Dynamik entsprechend zu fördern. Dazu ist es nötig die Gruppe zu verlassen, – nicht immer äußerlich, aber innerlich – denn in dem grünen Klima ist ein Zugehen auf die gesamte Menschheit nicht mehr möglich ohne stigmatisiert zu werden. Zudem ist die Verstandesaktivität mit ihren Urteilen an sich ins Zentrum des Interesses gerückt, was Introspektion und Distanz zur Gruppe erfordert. Man möchte zu einer Wertungsfreiheit gelangen ohne seine Unterscheidungskraft einzubüßen. Herz und Verstand umarmen sich auf dem gelben Mem. Clare Graves sagt dazu, dass dies ein „bedeutungsvoller Sprung“ ist, bei dem „eine Kluft unvorstellbarer Tiefe überwunden wird“. Mit dem gelben Mem beginnt die Angst erstmals nicht mehr als handlungsweisender Impuls zu wirken. Erstmals ist man in der Lage anschaulich und lebendig das gesamte Spektrum der inneren Entwicklung zu erfassen und zu erkennen, dass jede Ebene, jedes Mem, jede Welle entscheidend wichtig für die Gesundheit der gesamten Spirale ist. Man ist nun in der Lage sowohl vertikal (Ängste, Bedürfnisse und Notwendigkeiten berücksichtigend) als auch horizontal (wertschätzend, verstehend und integrierend) zu denken. Mit dem gelben Mem beginnt die zweite Stufe des Bewusstseins (Tier 2).

Ken Wilber schreibt dazu:

Mit meinen Worten, jede Welle ist ein „Transzendieren und Einschliessen.“ Das bedeutet, jede Welle geht über ihre(n) Vorgänger hinaus (transzendiert ihn), und beinhaltet oder umfasst ihn zugleich in ihrem Bestand. Eine Zelle z.B. transzendiert und beinhaltet Moleküle, welche Atome transzendieren und beinhalten. Die Feststellung, dass Moleküle über ein Atom hinausgehen, bedeutet nicht dass Moleküle Atome hassen, sondern dass sie sie lieben: sie umfangen sie auf ihre Art und Weise; sie beinhalten sie, ohne sie zu vernachlässigen. Genau so ist jede Welle der Existenz ein grundlegender Bestandteil aller nachfolgenden Wellen, und daher sollte jede geschätzt und anerkannt werden.

 

Jede Welle kann weiterhin für sich aktiviert oder reaktiviert werden, sollten die Lebensumstände dies fordern. In Notfallsituationen können wir rote Kraftimpulse aktivieren; als Antwort auf Chaos müssen wir vielleicht auf die blaue Ordnung zurückgreifen; bei der Suche nach Arbeit benötigen wir vielleicht unsere orange zielorientierte Leistungsfähigkeit; in Liebesbeziehungen und mit Freunden nahe grüne Beziehungsfähigkeiten. Alle diese Meme haben etwas wichtiges beizutragen.
Doch keines der ersten-Rang Meme ist allein fähig, die Existenz der anderen Meme voll zu würdigen. Jedes der ersten-Rang Meme denkt, dass seine Weltsicht die richtige oder beste Perspektive ist – und reagiert negativ wenn diese Sicht angegriffen wird; es schlägt zurück, unter Verwendung der eigenen Werkzeuge, wann immer es sich bedroht sieht.

Die Freiheit des gelben Mems äußert sich vor allem darin, dass man nichts mehr beweisen muss. Man erkennt die Systeme und Beziehungen als wechselseitige Beeinflussung und arbeitet mit diesen Dynamiken, anstatt sich ihnen zu verschließen. Man identifiziert sich nicht mehr in seiner Rolle und Funktion, sondern versucht pragmatisch das beste für sich daraus zu ziehen. Das Handeln orientiert sich zudem an höheren Einsichten und Maßstäben, so wird vor allem das ökologische Wohl der Menschheit und des Planeten ins Auge gefasst. Man bemüht sich um Abfallvermeidung oder probiert vegetarische Ernährung um die Klimabilanz des Planeten zu verbessern. Das alles geschieht jedoch nicht aus einer idealistischen Dynamik heraus, sondern mit einer gewissen Gelassenheit ohne Statusbewusstsein. Der Mensch auf der gelben Welle interessiert sich für transegoische Bereiche, welche über ihn hinaus gehen. Anders als auf der vorherigen Welle unterwirft er sich jedoch nicht einer Gruppenmeinung sondern geht – wenn man sich nicht einigen kann – alleine seinen Weg. Das macht ihn freier im Denken, da er nicht mehr soviel Wert auf Zustimmung und Anerkennung legt. Wissen ist im gelben Mem ein zentraler Aspekt. Mit dem Beginn der Seinsbereiche beginnt man auch die Grenze von Worten zu erkennen und achtet vermehrt auf seine Intuition. Das Wissen und Rationalität wird als Werkzeug des Verstandes gesehen, hinter denen sich oft ein Ich-Komplex verbirgt. Wissen wird in seinem Wert aber deshalb nicht geschmälert, sondern mehr noch erhöht – als unpersönliches Gut, welches nicht mehr Missbraucht wird um Autorität zu erzeugen. Dadurch, dass Wissen in seinem intrinsischen Wert anerkannt wird – losgelöst vom persönlichen – ist auch Kompetenz und Hierarchie wieder möglich in einer neuen, freieren Art – als natürliche Struktur – ohne sich mit den aufkommenden Emotionen zu identifizieren. Wissen ist wichtig um die Probleme des Zusammenlebens zu bewältigen und es sollte möglichst allen zur Verfügung stehen. Projekte wie Wikipedia sind eine Entwicklung des gelben Mems.

Das gelbe Mem aus psychologischer Sicht

Das gelbe Mem entspricht dem reifen Erwachsenen, der selbstständig für sich Entscheidungen trifft unter Berücksichtigung des Wohls aller. Schwerpunktmäßig ist das gelbe Mem vor allem ab 30+ anzutreffen. Der Entwicklung einher geht die Fähigkeit zu Schau-Logischem Denken. Jean Gebser nannte die Fähigkeit verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen ohne eine zu bevorzugen „integral aperspektivisch„. Idealisten unterscheiden zwischen einer Rationalität, die beschreibend oder empirisch-analytisch ist (Verstand, Formop) und einer Rationalität, die dialogisch, dialektisch und netzwerk-orientiert ist (Vernunft, Schaulogik – genauere Beschreibung siehe Link). Dem schließen sich auch viele wichtige Theoretiker an wie zum Beispiel Jürgen Habermaß und Carol Gilligan. Mit diesem Schritt wird auch das postmaterialistische Denken dominant, welches sich im grünen Mem bereits deutlich andeutet.

 

Psychologische Entwicklung von Grün zu Gelb

„Wir können dann zwar verschiedener Meinung sein, wurzeln aber trotzdem alle im Selben.“ Hans Peter Dürr

Inmitten der grünen Enttäuschung überkommt dem Menschen eine Erschöpfung und ein Bedürfnis nach Alleinsein. Man möchte dieser Angst, nicht dazu zu gehören nachgehen. Man hat das soziale Magnetfeld mit seinen Bewertungen und Erwartungen satt. Und vor allem die erkannte Mittäterschaft, derer man sich scheinbar nicht so recht entledigen kann. Es beginnt ein schmerzhafter Prozess der eigenen Positionsbestimmung.

Man ist müde alles zu relativieren, sich an den Ungerechtigkeiten zu empören oder sich ständig neu zu erfinden und zu profilieren – es geht vielmehr darum Frieden zu finden. Die Einsicht in die Relativität hat eine große Enttäuschung mit sich gebracht, bisweilen sogar eine Weltwut. Wenn alles verhandelbar ist, dann birgt jeder Zustand Anstoß für Ungerechtigkeit und Revolte. Man sah das Schöpfungspotenzial der Narrative, konnte jedoch keine positive Welt gestalten innerhalb der Narrative, da sich diese immer in + und – spalten. Man wurde vom unbewussten Täter zum bewussten Täter. Man selbst ist Teil des Unfriedens, nur aufgrund des verhaftet seins in der Welt. Doch so recht kann man sich nicht mit dieser Sinnlosigkeit anfreunden, man sucht immer noch nach einer Geschichte, die Alles erklärt. Soll alles ein indifferenten Chaos sein?

Man lernt die Kämpfe gegen die Ungerechtigkeit langsam aufgeben, ohne Missstände hinzunehmen. Gemeint ist, dass man innerlich nicht mehr nach dem einen positiven Narrativ, der großen Gerechtigkeit sucht. Das „Paradies“ ist nicht realisierbar, und damit hat auch der Wille zum Paradies abgedankt. Das Paradies ist vielmehr eine Seinsebene jenseits des Willens. Man kann das Gute nicht wollen. Das Gute ist überhaupt nicht in dem ewigen Werden mitsamt seiner Geschichten zu finden. Man tut sein Bestes, erkennt seine Grenzen an. Nachdem man die Weltwut durch diese Akzeptanz überwunden hat, fällt einem auf, dass man nun ganz woanders steht als am Anfang dieser Reise: Man hat die Haltung der Welt „Wie-Sie-Sein-Sollte“ aufgegeben. Im Zeitpunkt der großen Enttäuschung bemerkt man plötzlich einen stillen Frieden. Man erkennt, dass diese Haltung der Welt „Wie-Sie-Sein-Sollte“, verbunden mit dem ihr inhärenten Idealismus und all den Auf- & Abwertungen der Motor des Unfriedens war. Es eröffnet sich einem ein ganz neues Feld der geläuterten Akzeptanz des Seienden, mit all ihren zufällig anmutenden Verstrickungen. Man beginnt sogar die Ungleichheit auf eine neue Art zu mögen, jeden sich öffnenden Narrativ als Chance und Gnade zu erleben, als einen Erlebnisraum. Man tritt nicht mehr an, ist nicht mehr an Vergleich und Konkurrenz gebunden. Erst hier wird die Schönheit der Unterschiedlichkeit deutlich.

Es kommt zur Einsicht des Denk- & Bewertungsvorgangs an sich, welcher allem zugrunde liegt und die leidhafte Spaltung vorantreibt. Der Akteur des Werdens und der Zeit ist das Ego. Es denkt in einem, durch einen hindurch, aber man ist nicht das Denken – man ist formloses Bewusstsein, welches Erfahrungsräume betritt und wieder verlässt. Das Ego wirkt in Zukunftsängsten und -ambitionen oder in Vergangenheitsreflexionen und -betrachtungen. Außerhalb des Egos ist man im Hier und Jetzt. Dieser Zustand ist mehr und mehr spürbar. Man ist ein Reisender, Geformter und Formender auf diesem Planeten. Man findet sich wieder in einer Stille ohne Namen, am Ufer der Gedanken. Verbunden mit allem, als Teilhaber am Bewusstsein und am ewigen Werden. Die positiven und negativen Urteile erscheinen wie mögliche Narrative, wie ein fremdes Bewusstsein, welches sich über uns legt. Ein Lied, welches vom Zeitgeist gespielt und vom Ego wie von einem Radiosender empfangen wird. Der freie Wille wird viemehr als Akzeptanz dessen was ist erfahren (was bereits in das türkise Mem übergeht).

Unterscheidung von grüner und gelber Wertehaltung

Beide, sowohl grün als auch gelb legen starken Wert auf Freiheit und Individualismus, jedoch von ganz anderer Art. Im Wissens-Roman Boomeritis von Ken Wilber findet man eine gute Differenzierung auf Seite 167.

Bei Grün liegt der Fokus auf dem Selbst und der Befähigung des Selbst, entsprechend eigener Werte Entscheidungen zu fällen. Die Rechtfertigung der Werte und Bewertungen zeigen sich in der Tatsache, dass sie persönlich, individuell und hauptsächlich durch Vorurteile belastet sind. Man toleriert alle Perspektiven, niemand fühlt sich für jemand anderen verantwortlich. Jedes Selbst verfolgt seine eigene Bahn. Dieses individualistische Selbst erschafft und kreist um sein eigenes kleines Planetensystem der Werte.

 

Im Kontrast zu diesem Individualismus basiert Autonomie (gelb) auf höheren Prinzipien, die abstrakte Kausalbeziehungen über multiple Zusammenhänge koordinieren und integrieren. Autonomie besteht aus einem erwachsenen Denken, das kognitiv weiter entwickelt und ethisch umfassender ist als bei der Individualität. Wo der Individualismus also auf pluralistischem Relativismus basiert, fokussiert sich die Autonomie des Zweiten Ranges auf selbstbezügliches Urteilen mit Verweis auf universelle Prinzipien.

 

Autonomie ist insofern Selbstbestimmung, aber nur in einem ganz besonderen Sinne, welcher sich vollkommen von der egozentrischen oder der narzisstischen Ich-heit oder dem Individualismus unterscheidet. Eine egozentrische Person kann glücklich sein, wenn andere leiden. Eine autonome Person kann das nicht. Das ist ein ganz einfacher Test.

Heutige Ausprägungen des gelben Mems

Das gelbe Mem ist laut Don Beck bei nur 1% der Bevölkerung zu finden, besitzt allerdings 5% der Macht. Das „gelbe Zeitalter“ ist vor allem mit dem Internet losgetreten worden und das beste Beispiel ist Wikipedia. Die Wissensdatenbank ist zum einen ein typisch gelbes ehrenamtliches Engagement, bei dem der Einzelne in den Hintergrund tritt (keine Profilierungsabsichten, Dienst an der Menschheit, ökologisches Denken). Zum anderen macht es das Wissen der Menschheit für jedermann jederzeit verfügbar und baut somit Stück für Stück Machtverhältnisse ab und führt zum Anstieg von Bildung und Chancengleichheit. Das „gelbe Zeitalter“ könnte man auch das „kognitive Zeitalter“ nennen, in welchem komplexe integrierte Information jederzeit verfügbar wird und Technologie zu einer Art Bewusstsein heranwächst. Ein gutes Beispiel ist der IBM Computer „Watson“, welcher komplexe Fragestellungen beantworten kann indem er Sinn und Semantik der menschlichen Sprache versteht und auswertet. Dabei wird Wissen immer umfänglicher, präziser und allgegenwärtiger zugänglich. Diese große Errungenschaft von Gelb verweist jedoch auch bereits auf die Frage – was ist die Grenze des Wissens? Was unterscheidet unser Bewusstsein von einem künstlichen Bewusstsein? Diese Fragen werden in dem heraufziehenden „gelben Zeitalter“ von immer größerer Bedeutung werden. Diese Entwicklung ist heute bereits in einigen Bereichen angedeutet, beispielsweise indem wir auf unseren Smartphones googeln. Diese Entwicklungen führen immer mehr zu einer existenziellen Fragestellung: Wer bin ich, wenn eine Maschine kompetenter ist als ich? Diese existenzielle Dimension ist eine tiefe Fragestellung von gelb und führt zur türkisen Bewusstseinswelle. Zudem wird sich mit dem Durchbruch des gelben Mems die sogenannte Industrie 4.0 durchsetzen. Das bedeutet, dass immer mehr Arbeit durch Roboter und Computer erledigt wird, was unsere Werschätzungskultur nachhaltig verändern wird, welche derzeit auf die Arbeit fixiert ist. Die resultierende Forderung kann nur ein bedingungsloses Grundeinkommen sein, was auch ein Aspekt der existenziellen Dimension von gelb ist.

Onlinepetitionen und Crowdfunding sind weitere typisch gelbe Ausprägungen. Das gelbe Mem knüpft an den grünen Verdienst an und wirkt lieber direkt am Weltgeschehen als durch gewählte Vertreter – es ist sich seiner Verantwortung bewusst und ordnet nationale und egoistische Interessen dem Gemeinwohl unter. So haben typisch grüne Themen weiterhin relevanz, gleichzeitig wird aber stärker auf die einzlenen Entwicklungswellen eingegangen. So wird beispielsweise Entwicklungsländern keine grüne Emanzipation zugemutet, sondern zunächst einmal an tragfähigen blauen Strukturen gearbeitet. Alles pragmatische, integrative und zugleich ethisch verantwortungsvolle Handeln, welches sich der neuen Technologie und Infrastruktur bedient ist vom gelben Mem geprägt. Politische Machtkämpfe, Ausgrenzungen, Aggressionen und Verurteilungen sind überwunden.

Gelb als höhere Ausprägung von Beige

Nach den 6 Tier 1 Wellen beginnt eine neue Ebene auf welcher sich die wesentlichen Themen der vorangeganenen Wellen wiederholen in einem völlig neuen Context. Während Tier 1 vom Ich-Komplex und seinen Bedürfnissen geprägt ist beginnt mit Tier 2 eine Seinsdimension. Gelb ist die höhere Ausprägung von Beige. In Beige geht es um das eigene körperliche und archaische Überleben, welches in pionierhafter Art und Weise gemeistert werden muss. In Gelb ist man nun in einer anderen Wahrnehmung der Realität als Seinsdimension, wodurch sich bisherige soziale Bindungen auflockern und das eigene Dasein auf existenzielle Art und Weise neu verhandelt wird. Selbstwert und Authentizität wird zu einer tragenden Motivation und ist deshalb so neuartig, weil es vom narzisstischen Ich losgelöst ist und zu ganz anderen Ansichten führt. Begreift man Selbstwert vorher als Durchsetzung bedeutet Selbstwert nun sich nicht mehr in destruktive Dynamiken zu verstricken – vor allem destruktiv für den eigenen Geist. Man sieht sich gezwungen der Umwelt und sich selbst auf neue Art entgegenzutreten um dem geistigen gerecht zu werden. Im beigen Mem lebt man von der Hand in den Mund ohne langfristige Planungen. Im gelben Mem geht es auch um das Erfahren des Hier und Jetzt des Seins. Oftmals beginnt man nun mit Meditation und möchte sich mit der Leere/Fülle des Seins verbinden. Im beigen Mem sind Wertgerüste schwach ausgeprägt und eigentlich nur dem Überleben dienlich. Das gelbe Mem erkennt die Wertgerüste der vorangeganen Stufen an und respektiert sie, begegnet diesen jedoch mit einem gewissen Gleichmut, weil es sich zum Erfahren der Seinsdimension dieser Wertmodelle und Urteile entledigen muss. So kreist auch hier der Wertekompass um das eigene Überleben, aber das bedeutet eben hier – integrieren, verstehen, nachvollziehen, umschließen, distanzieren – zu gunsten geistiger Klarheit. Das beige Mem ist geprägt durch eine vorwiegend nomadische Kultur. Auch im gelben Mem wird die Bindung an Orte und Personen aufgelockert und man fühlt sich mit dieser Seinserfahrung oft heimatlos.

Auslöser für Weiterentwicklung

Das Wissen als modellhafte Skizze der Realität wird in seiner Begrenztheit erfahren – „Selbst wenn du wie der Weiseste aller Weisen das Bild aller Wesen, welche die Erde bevölkern oder in den Meeren schwimmen, im Innern trägst, könnte all dies Wissen deine Seele nicht nähren, weil jedes Wissen nur verblasste Realität ist“ (Teilhard de Chardin)

Der Unterschied zwischen Wissen und Bewusstsein (bzw. der Seinsdimension) wird deutlich (in einem kollektiven Sinn insbesondere durch die integration von KI im Alltag)

Das eigenständige Denken welches losgelöst ist von den Normen der Gemeinschaft entdeckt neue nicht erforschte Kräfte und ein Horizont neuartiger Erfahrung wird aufgerissen

Die Realität wird als Seinsdimension erkannt, auf die das Denken ein Netz von Verzerrungen wirft

Der freie Wille wird als Illusion begriffen – wodurch sich ein Verständnis für die Wichtigkeit von Akzeptanz dessen was ist entwickelt

Gottesbild:

trinitarisches Ineinander von Gott und Mensch.

Perspektive:

systemisch – kann die verschiedenen Perspektiven einnehmen und ihren Wert anerkennen ohne sich zu verankern

DIE SPIRALE DER ENTWICKLUNG NACH DON BECK
Stufe/
Welle
 Farbcode
verdichtete Bezeichnung
Denkweise
Kulturelle Auswirkungen und persönliche Sichtweisen
7
Gelb
flexibler Flow
Ökologisch
natürliche Systeme, Selbstverwirklichung, multiple Realitäten, Wissen

Stufe nach Clare Graves:  G-T

Lernsystem: Allen Lernsystemen gegenüber offen

Denken: Systemisch

Motivationssystem: Existenziell

spezifische Motivation: Selbstwert

Tragwerte: Akzeptanz

Zielwerte: Existenz

Natur der Existenz: Kognitiv

Problematik der Existenz: Wiederherstellen der Viabilität in einer chaotischen Welt

Zuordnungen

Generelle Entsprechungen: Postformal – Schaulogik (früh bis mittel)

Hauptselbstlinie: tiefer psychisch (oder Seele)

mythologischen Stufen bei Neumann: Transformation

psychologische Stufe bei Neumann: Ich/Selbst Integration

Scheler (strukturelle Hardware): kreativ-spirituelle Intelligenz

Rudolf Steiner: Bewußtseinsseele

Filme zur Veranschaulichung:

Das Matrix-Mem, welches die eigene Realität in Frage stellt könnte man sowohl dem grünen als auch dem gelben Mem zuordnen. Ausschlaggebend ist das Gewahr werden der Narrative, Rollenhaftigkeit und Egostruktur des sozialen Miteiannders. Die Serie Westworld reichert dem noch den Gegensatz zwischen Künstlicher Intelligenz und menschlichem Leben an und stellt die Frage, in wieweit eine künstliche Intelligenz sich ihrer selbst bewusst werden kann und ob sie auch, ähnlich wie die menschliche Bewusstseinsevolution, Kämpfe austragen muss um sich zu behaupten.

Das Zeitalter integrierter allzeit verfügbarer Information, welche contextabhängig verwertet wird, rückt immer näher. IBM hat mit Watson ein Computersystem geschaffen, welches in  der amerikanischen Quizshow Jeopardy bereits gegen menschliche Kandidaten gewonnen hat.

Literatur zur Veranschaulichung:

Boomeritis: Ein Roman, der dich befreit

Habermas – Theorie des kommunikativen Handelns

Eckhart Tolle – The Power of Now

 Alle Wellen: Beige | Purpur | Rot | Blau | Orange | Grün | Gelb | Türkis und folgende

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Published on: 21/05/2016

Filed Under: v/meme

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